Hintergrund
Öl - der vernachlässige Schatz des Irak

Der größte Schatz des Irak, das Öl, wird auch fast drei Jahre nach dem Sturz von Saddam Hussein nur unzureichend gehoben. Terroristen sprengen die Pipelines in die Luft, die von Regierungstruppen mehr schlecht als recht geschützt werden. Dabei gäbe es eine Lösung.

KIRKUK. Das Bohrgerät wurde 1963 in Rumänien gebaut. Und über vierzig Jahre später arbeitet es auf dem Ölfeld in Kirkuk auch heute noch rund um die Uhr. Warum? Weil die „Iraqi Drilling Company“ nichts anderes hat, um nach Öl zu bohren. Bald drei Jahre nach dem Sturz des Saddam-Regimes ist die gesamte Technik der Ölförderung, der Öl-Gastrennung, -verflüssigung und des Transports immer noch ein Fall fürs Museum. Doch inzwischen stört das kaum noch jemanden in Kirkuk.

Denn dort wird nur noch so wenig Öl gefördert, dass selbst die Technik aus den 60er-Jahren dafür reicht. Der Grund: Seit mehr als einem Jahr haben die Aufständischen ihre Anschläge auf Pipelines massiv verstärkt. So sind die drei fast parallel geführten Rohrverbindungen von Kirkuk in die Raffinerie nach Baidschi regelmäßig unterbrochen. Damit fehlt auch das Öl, das nach Bagdad und in die Türkei gepumpt werden soll. Und weil das Öl in Baidschi nicht mehr ankommt, wird dort auch nicht mehr genügend Benzin produziert. Deshalb muss eines der ölreichsten Länder der Welt über die Hälfte seines Treibstoffs per Tankwagen aus der Türkei importieren.

Dennoch kauft wie zu Saddam Husseins Zeiten die irakische Bevölkerung den Liter Benzin für vier Cent. Wie einst der Diktator will mit dem billigen Sprit auch die neue Regierung den Irakern zeigen, dass das Öl im Land ihnen gehört. Als Konsequenz wird kräftig subventioniert, rund ein Dollar pro Liter.

Dabei müsste der Irak ein Schlaraffenland für Ölfirmen sein: In den USA liefern 800 Ölquellen gerade mal so viel Öl wie eine Quelle in Kirkuk. In der Nordsee kostet die Förderung eines Barrels (159 Liter) Rohöl rund 15 Dollar, im Irak kostet sie weniger als einen Dollar. Doch auf dem 20 mal 30 Kilometer großen Ölfeld von Kirkuk schimmern nur schwarze Öllachen, dazwischen sind Rohre, die wild durcheinander liegen wie auf einem Schrottplatz. Normalerweise heben und senken sich die Pumpenköpfe in stetem Takt. Doch hier in Kirkuk lugt nur ein Rohr aus dem Boden, das in ein dickeres mündet: Der Eigendruck des Öls in der Erde ist so groß, dass es von ganz allein bis zur Gastrennanlage fließt.

Im Irak gibt es 1800 fördernde Ölquellen, doch es könnten doppelt so viele sein. Die großen Ölmultis haben inzwischen das Interesse an Investitionen im Irak verloren. Ein Sprecher von Exxon sagt: „Der Irak ist sehr interessant für uns – aber jetzt noch nicht. Das Risiko, die komplette Investition zu verlieren, ist zu groß.“ Obwohl die Förderbedingungen, mit Quellen bereits in 700 Meter Tiefe, exzellent sind.

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