Hintergrund
Porträt: Ein Ex-Maoist leitet künftig die EU-Kommission

Im Moment seines großen Sieges blieb der künftige Präsident der Europäischen Kommission bescheiden. „Es ehrt mich sehr, jetzt als Kommissionspräsident im Dienste der EU stehen zu können“, sagte José Manuel Durão Barroso (48) am Donnerstag im Europaparlament in Straßburg.

HB STRAßBURG. Zuvor hatten die Abgeordneten die Kandidatur des konservativen Portugiesen für das höchste Amt der EU mit überraschend großer Mehrheit gebilligt. Barroso kann nun sein neues Team zusammenstellen und im November die Nachfolge von Romano Prodi antreten.

Barroso ist kein begnadeter Charismatiker, doch sein Ziel erreicht er dafür oft mit Geduld und Hartnäckigkeit. So schaffte es der künftige EU-Kommissionspräsident vor zwei Jahren, Regierungschef von Portugal zu werden, obwohl er selbst in der eigenen Partei umstritten war. Im Juni wurde er von den Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union hinter verschlossenen Türen zum Nachfolger von Romano Prodi ernannt - wenn auch nicht als erste Wahl. Zu seinen Pluspunkten für sein neues Amt gehört neben großer außenpolitischer Erfahrung sein Sprachtalent. Barroso spricht gut Englisch und Französisch.

Seine ersten politischen Erfahrungen hatte Barroso während der „Nelkenrevolution“ 1974 gesammelt, die in Portugal die Rückkehr zur Demokratie einleitete. Damals gehörte der Student einer kleinen maoistischen Gruppe an. Er wandte sich aber bald von der radikalen Linken ab und trat der konservativ-liberalen PSD bei. Bereits mit 29 Jahren wurde er Staatssekretär im Innenministerium, später wechselte er ins Außenministerium. 1992 wurde er im Alter von 36 Jahren Außenminister, 1999 nach einem heftigen innerparteilichen Machtkampf Parteichef.

Bei den Anhörungen in den Fraktionen des Europaparlamentes stellte Barroso ein weiteres Talent unter Beweis: Nach dem Motto „nur nicht anecken“ verstand er es, auf Fragen zu antworten, ohne die jeweiligen politischen Gruppen vor den Kopf zu stoßen. Vor den Sozialisten, Grünen und Kommunisten sagte er, er sei noch nie ein Konservativer gewesen. Den Konservativen versicherte er hingegen: „Ich werde nie vergessen, dass ich aus dem Schoß ihrer Familie stamme.“ Durão Barroso ist verheiratet und hat drei Kinder.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%