Hinweis auf Holocaust
Zentralrat warnt vor Bundeswehr-Einsatz in Nahost

Israel fordert einen internationalen Einsatz zur Entwaffnung der radikalislamischen Hisbollah. Auch deutsche Soldaten könnten für eine mögliche Mission herangezogen werden. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hält dies allerdings für keine gute Idee.

HB BERLIN. Der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, sagte im RBB-Inforadio, angesichts der Geschichte halte er es für problematisch, deutsche Soldaten in die Region zu entsenden. In Israel lebten immer noch, viele Holocaust- Überlebende. „Und ich weiß nicht, wie die es finden würden, wenn nun deutsche Truppen gegen einen sein Land verteidigenden israelischen Soldaten vorgehen müssten.“

Kramer räumte ein, er teile die am Montag geäußerte Ansicht von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), dass man sich einer etwaigen Bitte der Konfliktparteien, sich an einer Friedensmission zu beteiligen, kaum entziehen könnte. „Aber das entbindet ja nicht davon, weiter zu denken. Man sollte sich diese Frage stellen - und ich hoffe, dass wir darauf keine Antwort geben müssen, weil die Bundeswehr überhaupt nicht in eine solche Lage kommt.“

Für einen internationalen Einsatz zur Entwaffnung der radikalislamischen Hisbollah in Südlibanon wären nach Ansicht des ehemaligen Bundeswehr-Generals Hermann Hagena 30 000 bis 40 000 Soldaten erforderlich. Hagena sprach von etwa drei Divisionen, die von der internationalen Staatengemeinschaft gestellt werden müssten. Wenn es um die Entwaffnung der Hisbollah gehe, „dann ist es mit zwei oder drei Bataillonen nicht getan“, sagte der Experte der Zeitung „Die Welt“.

Eine Truppenstärke in dieser Größenordnung sei nötig, „weil keiner so genau weiß, wie stark die Hisbollah wirklich ist“. Wenn die Hisbollah entwaffnet werden solle, „bedeutet das, dass jedes Haus durchsucht werden muss“. Die israelischen Militäraktionen bisher hätten deutlich gemacht, dass man es mit einem gut ausgerüsteten Gegner zu tun habe. Hagena: „Man sollte den Fehler von Afghanistan vermeiden, wo man mit viel zu wenig Soldaten hineingegangen ist.“

Der CDU-Außenpolitiker Andreas Schockenhoff sagte der „Welt“, es sollten sich auch russische und amerikanische Truppen an einer Friedensmission beteiligen. Bei einer möglichst breiten Beteiligung könne er sich „auch eine deutsche Komponente vorstellen“. Im Augenblick seien die Voraussetzungen dafür jedoch nicht gegeben.

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