Der neue Gewaltausbruch im Libanon nährt Befürchtungen eines neuen Bürgerkriegs, dem Israel nicht tatenlos zusehen würde. Siniora bezeichnet die Hisbollah zwar als „internes Problem“ des Libanon. Doch in Jerusalem sieht man das anders. Die Verschiebung der Kräfte zugunsten der Hisbollah hätte deshalb auch regionale Auswirkungen. Jeder Versuch der Hisbollah, größere Teile der Zedernrepublik unter ihre Kontrolle zu bringen, würde Israel auf den Plan rufen. Jerusalem werde verhindern wollen, dass an der Grenze zum Libanon ein verlängerter Arm der iranischen Kräfte steht, sagen israelische Regierungsvertreter. Denn die Hisbollah würde stets als Stellvertreter des iranischen Regimes agieren. Sie verfolgten die Lage im nördlichen Nachbarland deshalb genau, sagen israelische Regierungsvertreter.
Es gebe bislang zwar keine Absicht zu intervenieren. Israel müsse in dieser Frage aber „besonders sensibel“ sein, so Verteidigungsminister Matan Vilnai im Armeerundfunk. Sein Land sei vorbereitet, sollte sich die Situation weiter verschärfen. Er glaube indes nicht an einen Kollaps im Libanon, da alle Seiten die bitteren Erfahrungen des Bürgerkrieges von 1975 bis 1990 nicht vergessen hätten. Vor zwei Jahren ist es der israelischen Armee im zweiten Libanonkrieg nicht gelungen, die Hisbollah klar zu besiegen. Seit dem Ende des Kriegs hat die Hisbollah wieder massiv aufgerüstet. In den vergangenen Monaten habe sie die Zahl der Raketen verdreifacht, schätzt der israelische Geheimdienst.
Im israelischen Verteidigungsministerium wurde die Alarmstufe der Geheimdienste bereits erhöht, meldete gestern der Armeerundfunk. Für den Fall, dass es die Hisbollah auf einen bewaffneten Konflikt mit Israel ankommen lasse, würden Vorbereitungen getroffen, heißt es.

