Hisbollah feiert
Ahmadinedschad provoziert Israel im Libanon

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat einen Auftritt an der libanesisch-israelischen Grenze zu neuen Angriffen auf seinen erklärten Erzfeind Israel genutzt. Die USA nennen den Libanon-Besuch eine Provokation.
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HB BINT DSCHBEIL. "Die Welt soll wissen, dass die Zionisten sterblich sind", rief Ahmadinedschad am Donnerstag vor Tausenden Hisbollah-Anhängern im südlibanesischen Bint Dschbeil, nur etwa vier Kilometer von der Grenze zu Israel entfernt. Auch auf den Palästinenser-Konflikt ging er ein: "Palästina wird befreit werden."

Der Ort war symbolisch gewählt. Vor vier Jahren kam es dort während des Krieges zwischen der Hisbollah und Israel zu heftigen Kämpfen zwischen der vom Iran unterstützten radikal-islamischen Gruppe und israelischen Soldaten.

Mit Bussen waren Hunderte Libanesen aus der Hauptstadt Beirut und anderen Teilen des Landes in den Süden gebracht worden, um der Rede beizuwohnen. Die Straßen auf dem Weg dahin waren mit iranischen Fahnen und Plakaten beschmückt. Auf den Transparenten wurde Ahmadinedschad als "Beschützer des Widerstandes" begrüßt. "Ich bin hier, um diesen Kämpfer zu unterstützen, der dem Widerstand unbegrenzt unterstützte, bis wir die Befreiung erreichten", sagte der 63-jährige Hussein Ajasch, der aus seinem 30 Kilometer entfernten Dorf nach Bint Dschbeil gereist war.

Der Ort hat für die libanesischen Schiiten eine besondere Bedeutung. Hier hielt 2000 Hisbollah-Chef Sajjed Hassan Nasrallah eine Siegesrede, nachdem Israel die 22 Jahre dauernde Besetzung des Südlibanon beendete. Die Hisbollah und Israel führten 2006 einen Krieg, bei dem auf libanesischer Seite 1200 Menschen und auf israelischer 158 starben. Der Westen wirft dem Iran vor, die Hisbollah militärisch zu unterstützen. Die Organisation verfügt nach eigenen Angaben über 30 000 Raketen.

Von Seiten der Hisbollah wird dagegen die iranische Hilfe für den Wiederaufbau betont, die seit 2006 etwa eine Milliarde Dollar umfasst habe.

Ahmadinedschad war bereits bei seiner Ankunft am Mittwoch im Libanon begeistert empfangen worden. Tausende Schiiten säumten die Straßen, jubelten und streuten Blumenblüten. Nach Gesprächen mit seinem libanesischen Kollegen Michel Suleiman - einem maronitischen Christen - betonte Ahmadinedschad, sein Land unterstütze alle Libanesen. "Wir wollen ein starkes und geeintes Libanon", erklärte der iranische Präsident. Die libanesische Politik und Gesellschaft ist von starken Spannungen zwischen den einzelnen Volksgruppen geprägt.

Die USA haben den Besuch des iranischen Präsidenten, der in der Vergangenheit zu Israels Zerstörung aufgerufen hatte, als eine Fortsetzung früherer Provokationen gewertet. Der Westen befürchtet einen wachsenden Einfluss des Irans im Libanon. Auch von den eher westlich orientierten Politikern in der brüchigen Regierung Libanons wurde der Besuch mit Sorge verfolgt.

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