Hisbollah-Miliz
Terroristische Profitmacher

Die radikal-islamische Hisbollah-Miliz unterhält im Libanon eines der größten Wirtschaftsimperien mit Beteiligungen an der nationalen Fluggesellschaft, an Finanzinstituten und in der Bauindustrie. Gleichzeitig verfügt sie weltweit über viele dunkle Kanäle und ergiebige Quellen.

BEIRUT. Mitte Juli lieferte ein Prozess in Detroit den Beweis für die globalen, illegalen Geschäftsbeziehungen der Hisbollah. Zwei Männer – der 51-jährige Imad Majed Hamadeh und der 73-jährige Theodore Schenk – bekannten sich vor Gericht eines doppelten Vergehens schuldig. Sie gaben zu, Geschäfte mit Geldwäscherei, geschmuggelten Zigaretten, gefälschten Viagrapillen oder dem Transport von Diebesgut gemacht zu haben. Außerdem hatten sie sich nach amerikanischem Recht mit der Verwendung der Profite strafbar gemacht: Einen Teil der Einnahmen überwiesen sie nämlich an die Hisbollah im Libanon.

Die Geschäftspartner Hamadeh & Schenk sind nicht die einzigen und schon gar nicht die wichtigsten Sponsoren der Hisbollah. Sie finanziere sich weltweit über kriminelle Aktivitäten, vom Drogenschmuggel bis zum Diamantenhandel, meint Matthew Levitt vom Washington „Institute for Near East Policy“. Auf diese Weise kämen Jahr für Jahr allein in den USA zehn bis 30 Millionen Dollar zusammen, schätzen US-Behörden. Hinzu kommen Schwarzgelder aus Lateinamerika, wo die Hisbollah mit der ansässigen arabischen Gemeinschaft gut verknüpft ist, oder die Erlöse von Import-Export-Gesellschaften, die in Indien und Hongkong im Auftrag der Hisbollah aktiv sind. Sie generieren weitere Millionen, die am Ende in die Kasse von Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah fließen.

Nasrallah könne sich auf regelmäßige Einnahmen verlassen und kenne keinerlei Geldprobleme, so Levitt. Denn zu den Einkommen aus der Unterwelt kommen jedes Jahr durchschnittlich 100 Millionen Dollar, die aus Teheran überwiesen werden. Hinzu kommen Geschenke von religiösen Führern im Gottesstaat und freiwillige Spenden von hunderttausenden Schiiten. Die unentgeltlichen iranischen Waffenlieferungen sind darin nicht enthalten.

Im Libanon ist die Hisbollah zweitgrößter Arbeitgeber. Sie hält Beteiligungen an der Flughafengesellschaft Beirut, an der libanesischen Airline MEA und an mehreren Finanzinstituten. In den Armenvierteln hat sie Filialen ihrer Nahrungsmittelkette eröffnet und lässt in Schneidereien islamische Kleider nähen, die sie an libanesische Schiitengemeinschaften in den USA, Afrika und Südamerika verkauft. Bedeutende Engagements hält sie auch an der lokalen Bauindustrie und bei Immobilien.

Über das Ausmaß dieser Investments liegen zwar keine verlässlichen Schätzungen vor, auch nicht über die Höhe der damit generierten Einnahmen. Aber sie dürften mehrere Millionen betragen, schätzen Finanzkreise.

Mit diesen Einnahmen hat die Hisbollah im Libanon nicht nur eine paramilitärisch organisierte, gut ausgerüstete Armee, sondern auch ein riesiges Sozialwerk aufgebaut. Von den Sozialleistungen profitieren 250 000 bis 350 000 Libanesen – rund zehn Prozent der Bevölkerung. „Die Regierung hat der Hisbollah das Feld überlassen“, so die Hisbollah-Expertin Hala Jaber. So sind an die 14 000 Kinder in Hisbollah-Schulen eingeschrieben, die mehrere Tausend Lehrer beschäftigen. Zum Schulsystem gehören Sommerlager, Ausflüge, Jugendbewegungen und die Durchführung von religiösen oder nationalen Festen.

Neben Schulen und Krankenhäusern hat die Hisbollah Hilfswerke aufgebaut, die die Bevölkerung mit dem Lebensnotwendigsten versorgen – zum Beispiel Wasser. Die Kliniken erhalten von Mitarbeitern des Roten Kreuzes das Präsdikat „tadellos geführt“. Hisbollah finanziert auch Stiftungen, die sich um Kriegsopfer kümmern. Davon profitieren Verwundete, Witwen, Waisen und Landwirte, deren Felder durch israelische Truppen verwüstet wurden.

Die Hisbollah engagiert sich seit den achtziger Jahren in den Gebieten, wo die Schiiten in der Mehrheit sind und die Beiruter Regierung versagt – vor allem im Südlibanon, in den südlichen Stadtteilen von Beirut und in der Bekaa-Ebene. Ihr wirtschaftliches und soziales Engagement verschafft ihr Rückhalt in der Bevölkerung.

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