Historische Reformen
Die Heilkraft des Euro

Der Druck der gemeinsamen Währung wirkt. Er zwingt die Krisenländer der Eurozone zu historischen Reformen. Auf lange Sicht ist das heilsam. Die Krisenländer stehen besser da als andere Länder, die Reformen verschieben.
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DüsseldorfDer britische Premierminister David Cameron sparte nicht mit guten Ratschlägen an die Euro-Länder. In seiner gestrigen Rede auf dem Parteitag der britischen Konservativen kritisierte er ihre "endlosen" Debatten über eine Rettungsaktion für Griechenland.

Wenn es ein Thema gibt, das bei den Briten ankommt, dann ist es Euro-Bashing. Auf der Insel gehören Lästereien über die Euro-Zone quasi zum Volkssport. Ein Großspender von Camerons Konservativer Partei, Lord David Wolfson, hat sogar einen Wirtschaftspreis für Euro-Kritiker ausgelobt. Der mit 250.00 Pfund (300.000 Euro) dotierte Preis prämiert das beste Konzept zum Ausstieg aus dem Euro.

Derlei Häme über die Euro-Krise könnte jedoch irgendwann auf die Briten zurückfallen. In den vergangenen zwei Jahren haben sich die Finanzmärkte ganz auf die Euro-Krise fokussiert. Dabei geriet fast in Vergessenheit, wie schlecht es eigentlich um Großbritannien selbst bestellt ist. Aus struktureller Sicht haben die Briten ganz ähnliche Probleme wie die Sorgenkinder der Eurozone: Laut IWF-Prognosen schreiben sie 2012 ein höheres Haushaltsdefizit als Spanien (-8,2 vs. -6,9 Prozent des BIP) und machen größere Defizite im Außenhandel (Leistungsbilanzdefizit - 3,3 vs. -1,9 Prozent des BIP).

Auch die britische Gesamtverschuldung lag 2011 deutlich über dem Niveau Spaniens (-81 vs. -69 Prozent des BIP). Beide Länder hatten nach der Finanzkrise mit den Folgen einer Blase im Immobiliensektor zu kämpfen. Beide haben einen schwachen Exportsektor.

Im Gegensatz zu Spanien konnte sich Großbritannien aber stets zu sehr günstigen Konditionen am Markt finanzieren. Dies lag nicht zuletzt am entschlossenen Eingreifen der britischen Notenbank. Was in der Euro-Zone so umstritten ist, praktiziert die britische Notenbank seit langem: Sie kauft in großem Stil Anleihen. Anders als die EZB hatten die Briten nie Skrupel, wenn es um eine so genannte "pragmatische Geldpolitik" ging.

Kommentare zu " Historische Reformen: Die Heilkraft des Euro"

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  • Wo bleibt der Artikel "die Heilkraft von Zyankali" oder "Gesund durch Kopfschuss"?

  • Den Artikel zu kommentieren lohnt sich wirklich nicht, aber dafür die Anregungen in den Kommentaren.
    Ja, Island hat es richtig gemacht und hat die Zockerbuden Pleite gehen lassen. Deshalb wird Island jetzt auch vom Großkapital verklagt, was das Geld zurück haben will. Insofern war die Lehmann-Pleite nicht der Sündenfall sondern die Lösung von einem Großteil der Probleme. Allein das die Kleinsparer nicht entschädigt worden sind ist eine Schweinerei. Nein, lieber pumpt man Billionen in marode Banken und Spielcasions. Die Schulden wachsen derweil in den Himmel, trotz der vermeindlichen pseudo-positiven Signale aus den Euro-Pleite-Ländern und Deutschland wird sich bald in diese Kategorie einordnen müssen.

  • Wer sagt dass man in Griechenland mit 54 ins Rente geht? Schauen Sie bitte die OECD nummern an http://www.oecd.org/els/employmentpoliciesanddata/Summary_2011+values20september2012.xls . Durchschnittlich fuer Grieche und Deutsche geht man ins Rente fast mit 62 jahre! Und eine typische Rente in GR ist 600 oder 700 euro.

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