Hochschulen
Der globale Professor und die rosa Mäuse von Fudan

Die Globalisierung folgt im Wissenschaftsbetrieb der gleichen Logik wie in der Wirtschaft: Forschungskooperationen setzen auf Gewinn, wie die erfolgreiche Zusammenarbeit zweier Universitäten in den USA und China zeigt.

SCHANGHAI./NEW HAVEN. Ein Leben kann manchmal mehr erzählen als viele Bücher. „Ich kam vor 22 Jahren mit 50 Dollar und ohne Englischkenntnisse nach New York, um hier Biowissenschaften zu studieren“, berichtet Tian Xu. Der 43-jährige Chinese lächelt, sein Blick geht nach innen, zurück zu dem verlassenen Wohnhaus in Harlem, das anfangs seine Zuflucht war. Kaum der Kulturrevolution in der Heimat entronnen, erwartet ihn in Amerika, dem Land seiner Träume, ein neuer Kulturschock: In der zweiten Woche wird er auf der Straße ausgeraubt.

„Es waren harte Jahre, aber ich wollte unbedingt zu einer der besten Universitäten der Welt“, sagt Xu. Nicht nur das hat der heutige Starprofessor der Eliteuniversität Yale geschafft. Der in der Nähe von Schanghai aufgewachsene Genforscher verkörpert wie kaum ein anderer den Prototyp des globalen Wissenschaftlers. Als 21-jähriger Student wagte er den Sprung von China nach Amerika, als Professor schlägt er jetzt die Brücke zurück – von der alten zur neuen Weltmacht.

„Seit 1996 habe ich jedes Jahr in China gelehrt“, erzählt der US-Staatsbürger Xu. Etwa alle zwei Monate reise er in die alte Heimat und forsche und lehre dann an der Fudan University in Schanghai für jeweils zwei Wochen. „Professor Xu ist der Dreh- und Angelpunkt unserer einzigartigen Forschungskooperation mit Fudan“, sagt Yale-Präsident Richard Levin. Vor knapp drei Jahren gründeten die beiden Spitzen-Unis das Institute of Developmental Biology and Molecular Medicine (IDM).

Mehr als 100 Wissenschaftler auf beiden Seiten sind an der Kooperation beteiligt. Der Wissens- und Gedankenaustausch wird mit Videokonferenzen sichergestellt. Die Arbeitssprache am Institut ist Englisch und die chinesischen Behörden haben versprochen, die Freiheit der Wissenschaft zu wahren. „Ich hätte nie gedacht, dass sie sich darauf einlassen“, sagt Xu. Das zeige, wie ernst die Regierung in Peking die Aufholjagd in der Spitzenforschung nehme.

Xu und seine Kollegen haben sich vorgenommen, das Verhalten der menschlichen Gene zu erforschen. „Nach der Entschlüsselung des Genoms ist es das nächste monumentale Projekt“, sagt der Genforscher, der bereits als Kandidat für den Nobelpreis gehandelt wurde. Wenn man die einzelnen Gene besser verstehe, könne man Mittel gegen genetisch bedingte Krankheiten finden.

Seite 1:

Der globale Professor und die rosa Mäuse von Fudan

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%