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Hochwasser: Pakistan ertrinkt – und wird islamistischer

Das katastrophale Hochwasser in Pakistan macht vor allem der Landwirtschaft und der Textilindustrie zu schaffen. Weil die Regierung überfordert ist, wenden sich viele Menschen in ihrer Not radikalen Islamisten zu.

Flutopfer im Bezirk Rajanpur: Die Überlebenden versuchen ihr letztes Hab und Gut aus den Fluten zu retten. Quelle: Reuters
Flutopfer im Bezirk Rajanpur: Die Überlebenden versuchen ihr letztes Hab und Gut aus den Fluten zu retten. Quelle: Reuters

NEU-DELHI. Die verheerende Flutkatastrophe in Pakistan verschlimmert die ohnehin schlechte Wirtschaftslage des Landes - und droht damit den radikalen Islamisten weiteren Zulauf zu bringen. "Ich fürchte, dass die Wirtschaft wegen der Hochwasserschäden dieses Jahr in eine Rezession abgleiten wird", sagt Ayub Mehar, Direktor der Vereinigung Pakistanischer Industrie- und Handelskammern. Besonders die arme Bevölkerung leide unter den schlimmsten Überschwemmungen seit 80 Jahren. Die Regierung sei mit den Hilfsmaßnahmen überfordert, islamistische Wohltätigkeitsvereine füllten die Lücke. Dies werde den Rückhalt für terroristische Gruppen wie die Taliban stärken, warnt Mehar.

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Die Überschwemmungen infolge wochenlanger heftiger Regenfälle haben bisher nahezu 1800 Todesopfer gefordert. Zwölf Millionen Menschen sind nach offiziellen Angaben von der Katastrophe betroffen. Hunderttausende mussten vor den Wassermassen fliehen oder wurden von der Armee evakuiert.

Kosten in Milliardenhöhe

Die Kosten für die Rettungsmaßnahmen und die unmittelbaren Schäden werden von den Behörden auf mindestens vier Mrd. Dollar geschätzt. Die Fluten sollen ein Drittel der Baumwollernte sowie erhebliche Teile der Zucker- und Reisproduktion zerstört haben, teilten Landwirtschaftsverbände mit. Der Agrarsektor trägt mehr als ein Fünftel zu Pakistans Wirtschaftsleistung bei. Der deutsche Handelskonzern Metro, der mit fünf Großmärkten in Pakistan vertreten ist, warnt vor Lieferengpässen: "Wir werden bei Nahrungsmitteln Probleme bekommen", sagt Sprecher Pervaiz Akhtar.

Die Preise wichtiger Grundnahrungsmittel haben sich seit Ausbruch der Überschwemmungen in manchen Landesteilen vervierfacht. Das ist sozialer Sprengstoff. Zwei Drittel der knapp 180 Millionen Pakistaner leben von weniger als zwei Dollar am Tag. Ihre Wut richtet sich gegen die Regierung, von der sie sich im Stich gelassen fühlen. Dass Präsident Asif Ali Zardari trotz der Katastrophe vergangene Woche nach London und Paris reiste, hat die Stimmung weiter angeheizt: "Das Versagen der Regierung schafft das Klima, in dem der Extremismus gedeiht", warnt die pakistanische Tageszeitung "Dawn".

Schon vor der Flut lag Pakistans Wirtschaft am Boden. Während der Nachbar Indien Wachstumsraten von beinahe acht Prozent meldet, kam Pakistan zuletzt auf magere drei Prozent. Die Auslandsinvestitionen sind drastisch zurückgegangen und betrugen 2009 nur noch 2,5 Mrd. Dollar. Das Haushaltsdefizit hat gefährliche 6,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreicht, die Währungsreserven sind fast aufgebraucht. Ohne einen Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 11,3 Mrd. Dollar wäre das Land längst pleite. Jetzt kommen auch noch die Folgen des Hochwassers hinzu. Ihr Ausmaß werde erst langfristig voll sichtbar, warnt Ökonom Mehar. Premier Yousuf Raza Gilani räumte am Montag ein, dass die Schäden der Flutkatastrophe Pakistans Wirtschaft um Jahre zurückwerfen würden.

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