Hochwasserkatastrophe
Britanniens Oppositionsführer tappt in Stoiber-Falle

Flutkatastrophen sind für Politiker bekanntlich vortreffliche Gelegenheiten, dem betroffenen Wahlvolk in Gummistiefeln und mit ernster Miene beizustehen - oder auch nicht. Letzteres tat 2002 Edmund Stoiber, als er auf Juist urlaubte, anstatt in die überflutete Heimat zu reisen. Denselben Fehler hat jetzt der britische Oppositionschef David Cameron gemacht.

LONDON. Eigentlich machte Cameron mit seinem sonnigen Teint neben Premier Gordon Brown bisher immer eine gute Figur. Zumal Brown noch käsiger aussieht als gewohnt, seit ihm Flut und Terror den Schlaf rauben. Am Mittwoch aber wünschte Cameron, er hätte sich nicht zwei Tage lang die Sonne Ruandas ins Gesicht scheinen lassen, während sein Wahlkreis Witney in Oxford absoff.

Als England gegen die Fluten kämpfte, praktizierten Freiwillige der Tory-Partei in Ruanda Entwicklungshilfe und brachten ruandischen Schulkindern Cricket bei. Am Montag erschien dann Cameron selbst und präsentierte die Entwicklungspolitik der Konservativen – vor Parlamentariern in Kigali. Sogar ruandische Journalisten fragten, ob der Oppositionschef nicht besser zu Hause geblieben wäre, wo es überall „Land unter“ heißt. Vor allem in der konservativen Partei, denn Cameron steht das Wasser bis zum Hals.

Dabei hatte er sich so darauf gefreut, dass der unbeliebte Brown endlich den Charmeur Tony Blair ablöst. Der „Mann von gestern“ als neuer Regierungschef – damit würden sich die Briten nie anfreunden, glaubte er. Doch nun erweist sich der frühere Schatzkanzler Brown als geschickter Taktiker: Er stiehlt den Tories die Schau und die besten Konzepte, steigt in den Meinungsumfragen unaufhaltsam nach oben und drehte sogar im Unterhaus den Spieß um – mit seiner Charakterisierung der Konservativen: „Geschwätz, ohne wirkliche Politik. Alles, was sie können, ist von der Vergangenheit zu reden.“

Nicht nur der Sechs-Punkte-Vorsprung Labours in der neuesten Umfrage, der daher rührt, dass 21 Prozent der Briten heute eine bessere Meinung von Brown haben als bei seinem Amtsantritt vor vier Wochen, ist gefährlich für Cameron. Bedrohlich ist vor allem, dass konservative Wähler enttäuscht von ihm sind. 42 Prozent finden die Tories gut, aber nicht den Parteichef. Bis vor kurzem war es noch andersherum, und Cameron nutzte seine hohen Sympathiewerte dazu, die tiefsitzende Abneigung der Briten gegenüber der Partei Margaret Thatchers umzudrehen.

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