Höhere Verschuldung
Griechenland will Rückzahlungsfristen strecken

Derzeit schauen die Marktteilnehmer besorgt auf Irland. Aber auch der Schuldenstaat Griechenland scheint immer größere Probleme zu haben: Das Haushaltsdefizit ist größer als bislang angenommen. Nun spricht der griechische Ministerpräsident Papandreou erstmal von der Streckung der Kredit-Rückzahlungen.
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HB ATHEN. Giorgos Papandreou bringt erstmals eine Streckung der Rückzahlungsfrist für die an das Land vergebenen Kredite ins Gespräch. "Diese Frage steht bereits im Raum", sagte Papandreou der Athener Sonntagszeitung "To Proto Thema". Griechenland war im Frühling mit einem 110-Milliarden-Euro- Rettungspaket von EU und IWF vor der drohenden Pleite vorerst gerettet worden. Die Kredite haben eine dreijährige Laufzeit.

Am Samstag hatte es mehrere Dringlichkeitssitzungen der für die Finanzen zuständigen Minister unter Vorsitz des sozialistischen Regierungschefs Papandreou gegeben. Im Mittelpunkt stand der Entwurf des neuen Haushalts und eine Reihe von noch härteren Sparmaßnahmen. Das Budget soll am kommenden Donnerstag dem Parlament präsentiert werden. Zuvor müssen aber die Kontrolleure des Internationalen Währungsfonds, der Europäischen Zentralbank und der Europäischen Union grünes Licht geben.

Sicher ist, dass das griechische Defizit noch höher ist als bislang angenommen. Während bis September die Rede von knapp 14 Prozent war, soll nach gründlicher Prüfung der Finanzen das Defizit etwa 15,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) betragen. Die EU wollte am Montag die genaue Zahl nennen. Die Griechen müssten demnach etwa 4,5 Mrd. Euro zusätzlich sparen.

Papandreou hatte bereits in den vergangenen 13 Monaten eine drastische Sparpolitik durchgesetzt, um das Land vor dem Staatsbankrott zu retten. Dagegen gab es Streiks und massive Proteste. Zudem wird die griechische Wirtschaft dieses Jahr um etwa 4,5 Prozent schrumpfen. Als Folge ist die Arbeitslosigkeit von neun Prozent im August 2009 auf 12,2 Prozent im gleichen Monat dieses Jahres gestiegen.

Im Gespräch sind eine weitere Erhöhung der Mehrwertsteuer, die Privatisierung staatlicher Unternehmen und noch höhere Steuern auf Kraftstoffe, Tabak und Alkohol. Einsparungen soll es auch im Bereich Gesundheitssystem geben. Sogar die Entlassung von Staatsbediensteten, die nicht den Status eines Beamten haben, kommen zunehmend ins Gespräch.

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  • wenn das hier nicht positive Schlagzeilen sind weiss ich auch nicht -
    good bye EU, - wir wollten Dich nie und wir wurden auch nie gefragt.

  • Aber was denn, es soll doch nur die Rückzahlung gestreckt werden. was ist das schon, das bißchen Streckung. ist kein Verbrechen, oder ? Wir brauchen da nicht so knauserig sein mit unserem großartigen Aufschwung, oder ? Paar Milliarden für die notleidenden Griechen sind doch locker drin. Da braucht man nicht das D-Mark-gespenst zu bemühen, denn der euro ist doch unser Vorteil. wir haben ihn uns jedenfalls von Muttis CDU aufschwatzen lassen, das ist Fakt. Jetzt läuft das Spielchen eben anders als gedacht, und das war auch so zu erwarten.
    Mal was anderes: Als es darum ging, nun möglichst viele Schulden zu machen um angeblich die Konjunktur zu "retten", sah es offensichtlich kein Mensch, daß das die griechen oder die iren vollends in die Überschuldung getrieben hat und daß diese staaten keine neuen Schulden hätten machen dürfen.
    Die völlig unfähigen EU-beamten haben es auch nicht erkannt, daß der Wirtschaftsboom in Spanien oder irland nur geliehen und damit wertlos war. Kein hinweis damals, nichts. Hauptsache wachstum. Daß die griechischen Daten manipuliert waren, hätte man doch erkennen müssen. Kaum industrie, aber deutsche U-boote u.a. bestellen.

  • Es war von Anfang an klar, dass GR pleite ist und die beschwichtigungskette (oder soll man Lügen- oder Unfähigkeitskette sagen?) der deutschen Politiker wird immer länger. Und egal wieviele Rettungsschirme man bastelt: Das Geld wird nicht zurückgezahlt (natürlich auch die deutschen Schulden nicht), denn der Fehler steckt im System und ist kein Unfall. Das Finanzsystem ist korrupt und verwahrlost und die Finanzpolitiker genauso. Respekt für die Griechen für ihre bemühungen aber die Reißleine muss jedes Volk selbst ziehen! Maastricht ist gescheitert, was soll denn noch passieren, bis das in die Dickschädel der Zuständigen einsickert? War ja eine verführerische idee aber wie man sieht - so geht es einfach nicht.

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