Hoffnung auf Lösung
Diplomatischer Kleinkrieg in Königsberg

Der deutsche Generalkonsul Cornelius Sommer ist schon fast 18 Monate in der russischen Enklave Kaliningrad. Doch bislang hat er noch kein Visum ausgestellt.

HB KALININGRAD/BERLIN. Statt in einem richtigen Bürogebäude, das sich auch für Publikumsverkehr eignet, residieren der Diplomat und seine Mitarbeiter immer noch im Hotel Albertina im einstigen deutschen Königsberg. Dort müssen sie die Kundschaft im Restaurant empfangen.

Grund für die beschränkte Einsatzfähigkeit ist ein zum Teil bizarrer Liegenschaftspoker. Ein halbes Dutzend Mal hat Sommer bislang vergeblich Anträge gestellt, um endlich ein arbeitsfähiges Domizil zu bekommen. Doch aus dem Moskauer Außenministerium kamen immer nur Absagen. Mit nervenaufreibenden Manövern versuchte man dort, im Gegenzug für eine standesgemäße Unterbringung der eigenen Leute in Deutschland Druck zu machen.

Beim Kanzler-Besuch am Sonntag in der Kant-Stadt zeichnete sich nun doch eine Lösung in dem diplomatischen Kleinkrieg ab. Eine neue passende Immobilie wurde inzwischen gefunden. Und aus Moskau wurde diesmal sogar Zustimmung zur Übernahme signalisiert. Nach den ernüchterenden Erfahrungen der letzten Monate ist allerdings auf deutscher Seite weiter Vorsicht angebracht. Wie zu hören ist, fiel die Wahl auf ein Objekt in der „Uliza Telmanna“, - der Thälmann- Straße, benannt nach dem deutschen Kommunistenführers Ernst Thälmann, der zu Sowjetzeiten an Stelle des Philosophen Immanuel Kant noch auf auf dem Denkmal neben der Kaliningrader Universität thronte.

Die Hauptleidtragenden der Verzögerungen sind die Kaliningrader. Um ein Besuchervisum etwa in das rund 600 Kilometer entfernte Berlin zu bekommen, müssen sie derzeit erst in das rund doppelt so weit entfernte Moskau reisen. Jahrelang konnten sich Antragsteller für einen Sichtvermerk an die örtliche Vertretung der Handelskammer Hamburg wenden. Doch seit dem 1. Juni ist es damit vorbei. Im Zuge der Aufregung um die deutsche Visa-Affäre hat das Auswärtige Amt in Berlin diese Praxis eingestellt.

Solange der Umzug von Konsul Sommer in eine feste Bleibe aber noch nicht ganz sicher ist, will man in Berlin nicht voreilig auf alle Gegenwünsche eingehen. Fast schon entwürdigend sei es, wie die russischen Diplomaten im Münchner Generalkonsulat hausten, heißt es aus Moskau. Dringend werde die Genehmigung für den Ankauf eines neuen Dienstgebäudes an der Isar gebraucht. Immerhin ein Streitfall ist inzwischen nach längeren Hin und Her gelöst. Für die neue russische Vertretung in Frankfurt am Main gibt es jetzt grünes Licht. Der ursprüngliche Plan, sich im noblen Bad Homburg niederzulassen, scheiterte dem Vernehmen nach an fehlendem Interesse der Gemeinde.

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