Hoffnung für Aleppo

Moskau bestätigt Verhandlungen über Waffenruhe

Nach neun Tagen Dauerangriffen besteht Hoffnung auf eine Atempause für die Menschen in Aleppo. Der russische Generalleutnant Sergej Kuralenko sprach am Sonntag von „aktiven Gesprächen“. Details nennt er jedoch nicht.
Die Bewohner der syrischen Stadt Aleppo kämpfen jeden Tag erneut mit der Angst vor Luftanschlägen. Quelle: Reuters
Luftanschläge in Aleppo

Die Bewohner der syrischen Stadt Aleppo kämpfen jeden Tag erneut mit der Angst vor Luftanschlägen.

(Foto: Reuters)

Moskau/BeirutNach tagelangem Beschuss könnte es russischen Angaben zufolge auch für das nordsyrische Aleppo eine Feuerpause geben. Es werde darüber verhandelt, das bereits für Damaskus geltende „Regime der Ruhe“ auf die Provinz Aleppo auszudehnen, zitierten russische Nachrichtenagenturen am Sonntag General Sergej Kuralenko.

Die Feuerpause rings um die Hauptstadt soll nach russischen und syrischen Angaben bis Montagabend verlängert werden. In Aleppo stehen sich Regierungssoldaten und Rebellen schon seit Jahren gegenüber. Bei Luftangriffen am Samstag wurden dort Beobachtern zufolge mindestens fünf Menschen getötet. Am Sonntag sei es zunächst in Aleppo ruhig geblieben.

Wohin die Syrer zurückkehren
Ausschreitungen in Idomeni
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Im Flüchtlingslager in Idomeni an der mazedonischen Grenze ist es am Wochenende zu Ausschreitungen gekommen. Die Migranten weigern sich, in die offiziellen Aufnahmelager zu gehen. Sie wollen stattdessen ihre Weiterreise nach Mitteleuropa erzwingen – doch sie werden daran scheitern. Für viele von ihnen bleibt nur die Rückkehr nach Syrien. Angesichts der Spannungen in Indomeni warnt der griechische Minister für Bürgerschutz, Nikos Toskas, vor einer Radikalisierung wütender Migranten. Der Umgang der Behörden mit den Protestierenden müsse gut überlegt sein. „Was Sie heute sehen, sind die Dschihadisten von morgen“, sagte Toskas am Montag dem griechischen Nachrichtensender Skai.

Steine gegen Tränengas
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Am Sonntag hatten Migranten versucht, gewaltsam den mazedonischen Grenzzaun zu überwinden, um sich den Weg nach Mitteleuropa freizukämpfen. Sie zerstörten einen Teil des Zauns und schleuderten Steine auf die mazedonischen Sicherheitskräfte. Die mazedonische Polizei setzte massiv Tränengas, Blendgranaten und Gummigeschosse ein. Bei den Auseinandersetzungen seien mindestens 300 Migranten und 23 mazedonische Polizisten verletzt worden, teilten Behörden und humanitäre Organisationen mit.

Kein Weg nach Mitteleuropa
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In Idomeni sitzen mehr als 11.000 Menschen fest, seit die Fluchtroute über den Balkan vor wenigen Wochen abgeriegelt worden war. Seitdem fordern sie immer wieder die Öffnung der Grenze zu Mazedonien, um von dort aus weiter Richtung Deutschland und in andere europäische Länder zu kommen. Gemäß dem Abkommen werden alle Menschen, die nach dem 20. März auf illegalem Weg Griechenland erreichen, in die Türkei zurückgeschickt.

Die Ersten kehren nach Palmyra zurück
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Knapp zwei Wochen nach der Rückeroberung Palmyras aus den Händen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) sind die ersten geflüchteten Einwohner kurzzeitig in die syrische Oasenstadt zurückgekehrt. In von der syrischen Regierung gestellten Bussen fuhren hunderte Einwohner am Samstag in die als „Perle der Wüste“ bekannte Stadt, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Doch an eine „Perle“ erinnert in Palmyra kaum noch etwas.

Zerstörte Häuser
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Viele der Rückkehrer finden nur noch Trümmer vor. Erstmals durften hunderte Bewohner am Samstag in ihre alte Heimatstadt zurückkehren – für wenige Stunden, dann wurden sie mit von der Regierung gestellten Bussen wieder nach Homs zurückgebracht. Es sei zu gefährlich, sagte ein örtlicher Behördenvertreter der Nachrichtenagentur AFP.

Sprengsätze müssen geräumt werden
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Überall lägen Sprengsätze und Minen des IS, zudem gebe es weder Wasser noch Strom. Es werde mindestens drei Wochen dauern, bis die Menschen auch über Nacht bleiben könnten.

45 Prozent der Stadt sind zerstört
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Überwältigt vom Ausmaß der Schäden brechen einige der Rückkehrer in Tränen aus. Halb eingestürzte Wohnblocks säumen die Straßen, andere Häuser sind komplett zerstört, vor ihnen türmen sich Trümmer, kaputte Möbel und Abfall. Palmyra ist zu 45 Prozent zerstört, sagt die Provinzregierung.

Es gebe aktive Verhandlungen über Aleppo, sagte der russische General der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Wer an den Gesprächen teilnimmt, ließ Kuralenko offen. Die Verlängerung der Feuerpause für Damaskus geht dem General zufolge auf eine Verständigung Russlands mit Syrien und den USA zurück. Die Moskauer Regierung ist ein enger Verbündeter von Präsident Baschar al-Assad, der seit fünf Jahren einen Aufstand gegen seine Herrschaft niederzuschlagen versucht. US-Außenminister John Kerry, der am Sonntag zu Syrien-Gesprächen in Genf erwartet wurde, forderte eine Feuerpause auch für Aleppo.

Um die Stadt wird besonders erbittert gekämpft, weil eine Rückeroberung der einstigen Handelsmetropole ein besonderer Triumph Assads über die Rebellen wäre. Zusätzlich zu dem Leid für die in Aleppo ausharrende Bevölkerung gefährdet die anhaltende Gewalt dort die von Russland und den USA im Februar vermittelte allgemeine Waffenruhe.

Trotz dieser Vereinbarung, von der Kämpfe unter anderem gegen den Islamischen Staat (IS) ausgenommen sind, kommt es immer wieder zu Gewalt. In der Nacht zum Samstag trat eine gesonderte Feuerpause für den Großraum Damaskus für 24 Stunden sowie für die Mittelmeerprovinz Latakia im Norden für 72 Stunden in Kraft. Dieses Regime der Ruhe sei eingehalten worden, sagte der General Kuralenko der Nachrichtenagentur RIA. Für Damaskus werde es zudem um 24 Stunden verlängert. Die syrische Armee bestätigte die Ausweitung staatlichen Medien zufolge, äußerte sich aber nicht zu Aleppo.

Mehrere Rebellengruppen lehnten eine Feuerpause für einzelne Regionen ab. Sämtliche Kriegsgebiete müssten eingeschlossen werden, erklärten die Aufständischen in der Nacht zu Sonntag.

In Aleppo wurde laut der oppositionsnahen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in der Nacht zum Sonntag noch gekämpft. Seit Sonntagmorgen seien aber keine neuen Angriffe mehr gemeldet worden. Seit Beginn der jüngsten Kämpfe am 22. April starben der in London ansässigen Beobachtergruppe zufolge 250 Zivilisten durch Angriffe sowohl von Regierungstruppen als auch von Aufständischen. Allein am Samstag zählten die Beobachter 30 Attacken, für die sie die syrische Luftwaffe verantwortlich machten. International für besonders scharfe Kritik hatte in der Nacht zum Donnerstag ein Angriff auf ein Krankenhaus in Rebellengebiet von Aleppo gesorgt, bei dem allein 50 Menschen getötet wurden.

  • rtr
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