Hohe Inflation, schlechte Kommunikation
Bank of England hat zum Jubiläum Probleme

Zehn Jahre nach der Entlassung in die Unabhängigkeit kämpft die britische Notenbank mit hoher Inflation. Für die kommende Woche rechnen Analysten und Volkswirte fest mit einer weiteren Zinserhöhung. Außerdem gerät die Kommunikationspolitik der Bank of England immer häufiger in die Kritik.

mm LONDON. Vor fast genau zehn Jahren griff Gordon Brown, damals neuer Finanzminister der britischen Labour-Regierung, zum Telefon. Der Anruf galt Eddie George, und Brown verkündete dem damaligen Gouverneur der Bank of England, dass die Regierung die Notenbank innerhalb weniger Tage in die Unabhängigkeit entlassen werde.

Ein Jahrzehnt nach dem denkwürdigen Telefonanruf ist Georges Nachfolger Mervyn King kaum zum Feiern zu Mute. Trotz dreier Zinserhöhungen innerhalb von zwölf Monaten hat die Notenbank die Inflation in Großbritannien bislang nicht in den Griff bekommen. Außerdem kritisieren Analysten und Volkswirte immer häufiger die Kommunikationspolitik der Bank of England.

Der 17. April 2007 war ein besonders schlechter Tag für King. An diesem Datum hatten die britischen Statistiker für den März dieses Jahres eine Inflationsrate von 3,1 Prozent gemeldet – die höchste seit Einführung der aktuellen Erfassungsmethode vor zehn Jahren. Der unerwartete Preisschub brachte King in eine peinliche Position. Die Notenbank strebt eine Inflationsrate von lediglich zwei Prozent an und muss der Regierung ab einer Rate von drei Prozent öffentlich eine schriftliche Erklärung für die Abweichung liefern. Seit der Entlassung in die Unabhängigkeit war das noch nie nötig gewesen.

Nach dem überraschenden Inflationsschub rechnen Analysten und Volkswirte für die kommende Woche fest mit einer weiteren Zinserhöhung auf 5,5 Prozent; bis Jahresende sollen die Zinsen den Prognosen zufolge auf bis zu sechs Prozent steigen.

Aber die Bank of England hat die Analysten in jüngster Zeit öfter auf dem falschen Fuß erwischt. Vor allem die Zinserhöhung Mitte Januar sorgte in der Finanzgemeinde für Verblüffung und Verärgerung. Nur einer von 50 von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Analysten hatte den überraschenden Zinsschritt vorausgesehen. Auch die Abstimmungsergebnisse innerhalb des neunköpfigen geldpolitischen Rats gaben den Experten zu denken. Im März hatte ein Mitglied des Gremiums für eine Zinssenkung gestimmt, nur einen Monat, nachdem zwei Zentralbanker sich für eine weitere Erhöhung ausgesprochen hatten. Kein Wunder, dass in einer Reuters-Umfrage aus der vergangenen Woche 25 von 49 befragten Volkswirten meinen, dass sich die Kommuniktionspolitik der Bank of England in den vergangenen zwölf Monaten verschlechtert oder sogar deutlich verschlechtert habe.

In einem Interview gelobte King Besserung. Die Zentralbank wolle künftig versuchen, die Volkswirte und Analysten besser auf ihre Zinsschritte vorzubereiten, versicherte er. Allerdings ließ der Gouverneur der Zentralbank offen, wie er dieses Ziel erreichen will. Einer „Code-Wort-Politik“, wie sie derzeit die Europäische Zentralbank (EZB) betreibt, erteilte King eine Absage. Die EZB versucht, über bestimmte Schlüsselworte in ihren Kommuniqués die Erwartungen der Märkte zu steuern. In der Regel wird die Öffentlichkeit durch inzwischen fest etablierte Sätze etwa einen Monat vor der tatsächlichen Zinserhöhung auf die Anhebung der Leitsätze vorbereitet. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet verwendet dafür etwa die Formulierung, dass er die Entwicklung „sehr genau beobachtet“, oder dass er sie „wachsam“ beobachtet.

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