Hoher Finanzbedarf in Griechenland: Tsipras braucht 41 Milliarden schon diesen Herbst

Hoher Finanzbedarf in Griechenland
Tsipras braucht 41 Milliarden schon diesen Herbst

Athen lechzt nach neuen Hilfs-Milliarden: Der Staat braucht Geld für den Schuldendienst, die Banken sind durch die Kapitalflucht in Schieflage. Damit der Rettungsplan aufgeht, darf bei den Reformen nichts schief gehen.
  • 16

Auf ein Reformprogramm haben sich Griechenland und die Gläubiger-Institutionen geeinigt. Jetzt geht es ums Geld: 86 Milliarden Euro braucht Griechenland nach den Berechnungen von IWF, EZB, EU-Kommission und Euro-Rettungsschirm ESM in den nächsten drei Jahren. Überraschend: 41 Milliarden Euro von dieser Summe sollen schon bis Ende Oktober 2015 ausgezahlt werden, verlangen die Institutionen.

Die Banken, geschwächt durch die Kapitalflucht in diesem Jahr, bräuchten 25 Milliarden Euro, damit sie wieder Kredite an Unternehmen ausleihen und den Zahlungsverkehr in Griechenland in Gang bringen können. Der Staat braucht zusätzlich 16 Milliarden Euro für den Schuldendienst und um seine Kassen für laufende Zahlungen zu stabilisieren.

Die hohe Anfangszahlung stößt bisher im Bundesfinanzministerium und in der Unionsfraktion auf Widerstand. Die Institutionen schlagen deshalb vor, sie in drei Monatstranchen zu stückeln und die Auszahlung an die Umsetzung des Reformprogramms zu koppeln. An die Banken müssten aber sofort zehn Milliarden Euro fließen, und weitere drei Milliarden an den Staat für seinen Schuldendienst.

Über die dreijährige Laufzeit des neuen Hilfsprogramms muss Griechenland eine erhebliche Summe in den Schuldendienst stecken: 54,1 Milliarden Euro müssen finanziert werden, heißt es in dem Papier, das dem Handelsblatt vorliegt. Die 86 Milliarden Euro reichen nach der Analyse auch nur dann aus, wenn Griechenland in den drei Jahren 6,2 Milliarden Euro aus Privatisierungen einnimmt und ab kommendem Jahr wieder Primärüberschüsse (abzüglich Schuldendienst) im Haushalt erwirtschaftet.

Dass der Bedarf im Vergleich zu den Erwartungen Ende vergangenen Jahres erheblich gestiegen ist, hat großteils die Syriza-Regierung zu verantworten: Ihre Verhandlungsführung mit den übrigen Euro-Staaten hat die Kapitalflucht überhaupt erst in Gang gesetzt und die Banken in Schieflage gebracht.

Die Kapitalverkehrskontrollen und die Unsicherheit während der Grexit-Debatte führen nach den Erwartungen der Gläubiger-Institutionen zu einer erneuten Rezession: Die Wirtschaft werde in diesem Jahr um 2,3 Prozent und 2016 um weitere 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) schrumpfen, bevor ab 2017 mit dann 2,7 Prozent fast ein Boom einsetzen soll.

Im Primärhaushalt erwarten die Institutionen deshalb dieses Jahr ein Defizit von einem Viertelprozent des BIP, im nächsten Jahr soll das Land aber trotz Rezession einen Primärüberschuss von 1,7 Prozent erzielen: Das erfordert von der griechischen Regierung hartes Sparen. Die Gläubiger erwarten allerdings auch, dass durch die Steuererhöhungen und gezieltes Vorgehen gegen Steuerhinterzieher die Staatseinnahmen steigen werden.

Seite 1:

Tsipras braucht 41 Milliarden schon diesen Herbst

Seite 2:

Schuldentragfähigkeitsanalyse liegt nun vor

Kommentare zu " Hoher Finanzbedarf in Griechenland: Tsipras braucht 41 Milliarden schon diesen Herbst"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der hohe Anfangsbedarf erstaunt mich schon sehr. 16 Mrd für die ersten drei Monate, mach 5 Mrd. pro Monat. Damit habe ich nicht gerechnet, weil die Griechen das anders gemeldet hatten. Wenn es dann aber in Summe aufgeht ist alles in Ordnung und wir helfen den Griechen genauso gerne wie jedem Weltbürger, der sich von Deutschland mehr Wohlstand verspricht als von der Arbeit im und am eigenen Land. Wo und warum auch immer.

    Frei nach Archimedes geht die Rechnung der EU also auf:

    5 Mrd. x 12 Monate x 3 Jahre = maximal 81 Mrd. € (genaugenommen sind es also nur 75 Mrd. - 5 Mrd. x (12+3) = 75.

    Die übrigen 6 Mrd. sollen die Griechen einfach anderweitig verprassen um sich für den Kampf ums Vierte Hilfspaket zu stärken.

  • Dann soll er mal zusehen woher er die bekommt. Vielleicht von den gerade wieder eingestellten Beamten?
    "Der Staat braucht Geld für den Schuldendienst",

  • Wer stoppt Merkel und die 600 Abnicker im Bundestag? Wann wacht der Nichtwähler auf? Nur dann ist es möglich die Diktatur des zur Volkskammer verkommenen Bundestages zu brechen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%