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Auf Saddams Sturz folgt der Bürgerkrieg

Als der Krieg im Irak zu Ende ist, fangen die Probleme erst an. Mittlerweile sind die Träume von einer Demokratisierung der Region ausgeträumt. Feindliche Regime wie Iran fühlen sich stärker denn je, trotzen den USA und mischen sich immer stärker im Irak ein.

DÜSSELDORF. Wie kein anderer ist der Irak-Krieg ein Krieg der Bilder. Und am Anfang steht ausgerechnet Colin Powell: Vor der Uno blättert der damalige US-Außenminister ein endloses Sündenregister auf und präsentiert Beweisstücke: „Saddam im Besitz von Massenvernichtungswaffen zu lassen ist keine Option – nicht in der Welt nach dem 11. September 2001.“ Powell, der sich den neokonservativen Falken im Umfeld von George W. Bush lange widersetzt hat, fegt Bedenken der Europäer und Einwände der Uno vom Tisch. Im guten Glauben auf die CIA-Belege gibt er Saddams Irak zum Abschuss frei.

Wenige Tage später, am 20. März 2003 um 5.34 Uhr Ortszeit, schlagen in einem Außenbezirk Bagdads die ersten Marschflugkörper ein. Die Operation „Shock and Awe“ beginnt. Die USA werden „den Irak entwaffnen, seine Bürger befreien und die Welt von einer großen Gefahr befreien“, erklärt Bush seiner Nation. Die Invasion diene nicht nur dem Schutz vor Atomwaffen in der Hand eines Diktators und vor internationalen Terroristen. Nein, Amerika will dem Irak die Demokratie bringen und das Land zur „Fackel der Freiheit“ in der Region machen.

Militärisch läuft es blendend. Amerikaner und Briten rücken schnell vor, die Revolutionären Garden lösen sich in Luft auf, von den befürchteten Senfgasattacken keine Spur. Am 9. April nehmen US-Soldaten Bagdad ein und stoßen das zentrale Saddam-Denkmal vom Sockel. Ein Bild, das gemeinsam mit dem Bush-Foto vom 1. Mai auf der U.S.S. Abraham Lincoln unter dem Banner „Mission Accomplished“ in die Geschichte eingeht – als Symbol für Amerikas Machtanspruch und Selbstüberschätzung.

Der Krieg ist zu Ende, aber die Probleme fangen erst an. Am 2. Mai übernimmt Paul Bremer in blauem Anzug und schweren Wanderschuhen das Amt des US-Statthalters. Der Wiederaufbau beginnt, zugleich der Widerstand gegen die Besatzer. Saddam wird am 13. Dezember 2003 aus einem Erdloch bei Tikrit gezogen (und Ende 2006 hingerichtet), doch inländische Rebellen und ausländische Terroristen kämpfen weiter. Nach vier Jahren fordern täglich Anschläge Dutzende von Toten, die Zahl der getöteten US-Soldaten liegt bei 3 200.

In der Politik scheinen die USA relativ schnell voranzukommen. Anfang 2005 beteiligen sich viele Iraker trotz hoher Gefahr an den ersten freien Wahlen seit 50 Jahren. Die neue Verfassung wird Ende 2005 mit großer Mehrheit bestätigt. Mit der anschließenden Parlamentswahl, an der sich erstmals auch die Sunniten beteiligen, erlangt das Land die Souveränität formal zurück. Doch in Wirklichkeit herrscht Bürgerkrieg, schiitische und sunnitische Milizen bekämpfen sich erbittert. Laut Uno wurden allein 2006 34 000 irakische Zivilisten getötet.

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