Hoher Stimmenverlust untergräbt Autorität des Premierministers
Labour-Linke fordert Blairs baldigen Rücktritt

Tony Blairs historischer dritter Wahlsieg bei der Unterhauswahl in der vergangenen Woche bleibt von Spekulationen über seine Zukunft und von Rücktrittsforderungen linker Labourparlamentarier überschattet. Am morgigen Dienstag wird Blair erstmals zu seiner neuen Unterhausfraktion reden.

HB LONDON. Der Labour-Linke Frank Dobson, Gesundheitsminister in Blairs erstem Kabinett, bezeichnete Blair im Sender GMTV als „enorme Belastung“ und machte ihn persönlich für die Schrumpfung der Labour-Mehrheit von 167 auf 67 Sitze verantwortlich: „Ich glaube nicht, dass wir die wichtigen Kommunalwahlen im nächsten Jahr mit Tony Blair als Parteiführer bestreiten können.“ Einen noch früheren Termin hat der Linksaußen Jeremy Corbyn im Sinn. Er will, dass Blair zum Ende der britischen G8 Präsidentschaft abtritt.

Dem „Observer“ zufolge fasst die Downing Street den Sommer 2008 als Zeitpunkt der Übergabe ins Visier. Blairs mutmaßlicher Nachfolger Gordon Brown würde im Juli 2008 zum neuen Parteichef gewählt, die Amtsübergabe wäre dann zum Parteitag im September. Das Büro Blairs betonte jedoch, der Premier habe erklärt, er werde im Falle seiner Wiederwahl die volle Amtszeit bleiben.

Die Schwäche Blairs zeigte sich bereits bei der Kabinettsumbildung. Angekündigt war ein reformorientiertes Kabinett, mit dem Blair zentrale „New Labour“-Projekte vorantreiben wollte. Den Eindruck neuer Frische vermittelte die Regierungsumbildung dann aber nicht. Doch Blairs treuester Mitstreiter, Alan Milburn, kündigte noch in der Wahlnacht an, er stehe für ein Kabinettsamt nicht zur Verfügung. Milburn war als Wahlkampfkoordinator durch die prominente Rolle von Schatzkanzler Gordon Brown an den Rand gedrängt worden.

Brown bleibt auf eigenen Wunsch im Schatzamt. Jack Straw bleibt Außenminister, obwohl Blair den als Brown Anhänger eingestuften Straw angeblich zum Parlamentsminister machen wollte. Mit David Milliband kommt ein „Blairrite“ als Minister für Lokales ins Kabinett. Neuer Europaminister wird der dem Brown Lager zugerechnete Douglas Alexander, der bereits als zukünftiger Labourstar gehandelt wird. Er muss nun eine führende Rolle im Kampf für das EU Verfassungsreferendum spielen. Eine Niederlage bei diesem Referendum, vermutlich im Frühjahr 2006, gilt immer noch als der wahrscheinlichste Rücktrittsgrund für Blair.

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