Holbrooke-Besuch
Viele Tote bei Anschlagserie in Kabul

Einen Tag vor dem Besuch des neuen US-Sondergesandten Richard Holbrooke hat am Mittwoch eine Anschlagserie die afghanische Hauptstadt Kabul erschüttert. Die Taliban griffen das Justizministerium und ein weiteres Regierungsgebäude an. Bei den Angriffen gab es viele Tote und Verletzte.

HB KABUL. Mit einer koordinierten Anschlagserie haben Taliban-Extremisten die afghanische Hauptstadt Kabul ins Chaos gestürzt. Es war einer der unverfrorensten Angriffe der Islamisten seit deren Sturz im Jahr 2001 durch die US-geführten Truppen. Kurz hintereinander griffen sie am Mittwochmorgen drei Regierungseinrichtungen an. Mitten im streng bewachten Zentrum Kabuls schossen die mit Sprengstoffwesten und Sturmgewehren bewaffneten Attentäter wild um sich. Im Norden der Stadt sprengten sich einige von ihnen selbst in die Luft. Insgesamt 20 Menschen starben, 57 weitere wurden verwundet, wie Innenminister Hanif Atmar am Abend auf einer Pressekonferenz sagte, nachdem die Sicherheitskräfte die Attacken endlich niedergeschlagen hatten.

Einen Tag vor dem Afghanistan-Besuch des neuen US-Sondergesandten Richard Holbrooke offenbarten die Angriffe, wie prekär die Sicherheitslage in dem Land ist. Das Vorgehen der Taliban erinnerte an das jener Extremisten, die im November im indischen Bombay mit einem Sturmlauf und fast 200 Todesopfern für Angst und Schrecken gesorgt hatten.

Die Taliban-Kämpfer begannen ihren Sturmlauf gegen zehn Uhr morgens. Zunächst versuchte ein Angreifer in das Bildungsministerium einzudringen, wurde dabei jedoch erschossen, wie Atmar sagte. Wenige Minuten später drangen fünf Extremisten in das Justizministerium ein und töteten zwei Wachposten. Ein Polizist folgte ihnen und streckte einen der Angreifer nieder, während die anderen vier ausschwärmten und auf jeden schossen, der in ihr Visier geriet. Zehn Menschen waren bereits tot, als es der Polizei gelang, das Gebäude einzunehmen und die Angreifer zu töten, bevor diese ihre Sprengstoffwesten zünden konnten.

Im Norden der Stadt gelangten derweil zwei Angreifer in das Gebäude der Gefängnisverwaltung. Ein Wachmann erschoss einen der Extremisten, doch der zweite schaffte es, sich selbst in die Luft zu sprengen und mehrere Polizisten mit in den Tod zu reißen.

Taliban-Sprecher übernahmen die Verantwortung für die konzertierte Aktion. Die Angriffe seien Vergeltungsschläge für die Behandlung von inhaftierten Aufständischen.

Neben den Anschlägen in Kabul wurden am Mittwoch in der südlich der Hauptstadt gelegenen Provinz Logar auch vier afghanische Soldaten durch einen am Straßenrand versteckten Sprengsatz getötet. Bei einem weiteren Vorfall in derselben Region starben ein französischer Soldat und ein afghanischer Übersetzer.

Mit Spannung wird vor diesem Hintergrund Holbrookes Besuch erwartet. In den vergangenen Tagen machte sich der Sondergesandte von US-Präsident Barack Obama zunächst ein Bild der Lage in Pakistan. Am Mittwoch besuchte er die Grenzregion zu Afghanistan, wo viele Taliban-Kämpfer vermutet werden. Obama hat angekündigt, die US-Truppen in der Region aufzustocken, da er hier - und nicht etwa im Irak - die größten Sicherheitsdefizite sieht. Bislang stellen die Amerikaner etwas mehr als die Hälfte der gut 70 000 Soldaten starken westlichen Militärtruppe in Afghanistan. Die Bundeswehr ist mit mehr als 3500 Soldaten am Hindukusch im Einsatz.

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