Hollande besucht Obama: Der schöne Schein

Hollande besucht Obama
Der schöne Schein

Bei seinem USA-Besuch wird Frankreichs Präsident Hollande als bevorzugter Partner behandelt. In der Praxis sieht das jedoch oft anders aus. Im Zweifel nehmen die Amerikaner wenig Rücksicht auf ihre französischen Partner.
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ParisZum Auftakt des Staatsbesuchs in den USA haben der französische Präsident François Hollande und sein amerikanischer Kollege Barack Obama die guten Beziehungen ihrer Nationen betont. „Noch vor zehn Jahren hätte niemand gedacht, dass unsere beiden Länder so eng und so vielfältig zusammenarbeiten. Aber in den vergangenen Jahren hat sich unsere Verbindung verändert“, schrieben Obama und Holland in einem gemeinsamen Beitrag, der in den Zeitungen „Washington Post“ und „Le Monde“ erschien.

Im Mittelpunkt des Besuchs stehen vor allem die Atomverhandlungen des Westens mit dem Iran, der Bürgerkrieg in Syrien sowie die Konflikte und der Extremismus in Afrika. Für die Amerikaner ist Hollande wohl der einfachste Partner seit François Mitterrand. Mit Jacques Chirac hatten sie einen harten Gegner, der sie gemeinsam mit Gerhard Schröder erfolgreich beim Aufbau einer europäischen Unterstützung für den Irak-Krieg behinderte. Nicolas Sarkozy startete zwar sehr pro-amerikanisch, wurde aber später zu einem sperrigeren Kooperationspartner. Hollande sucht aufgrund seiner extremen innenpolitischen Schwäche nach außenpolitischen Erfolgen. Die kann er nur gemeinsam mit den Amerikanern erzielen, das ist ihm anhand der Syrien-Erfahrungen schmerzlich bewusst geworden.

Es ist nämlich keinesfalls so, dass die Amerikaner Hollande in der politischen Realität als den bevorzugten Alliierten behandeln, als der er nun in Washington empfangen wird. In der Konfrontation mit Syrien haben sie ihn wie einen drittklassigen Partner behandelt. Hollande suchte letzte Jahr die militärische Konfrontation, nachdem Assad Giftgas eingesetzt hatte. Die USA wollten ein neues Abenteuer vermeiden. Ohne Hollande auch nur zu informieren, einigten sie sich  mit Russland auf eine diplomatische Lösung.

Ähnlich verläuft es im Falle des Iran. Den USA kam zupass, dass der französische Außenminister Laurent Fabius den Hardliner gegen die Aufhebung der Sanktionen gab. Das verschaffte ihnen selber mehr Spielraum. Nachdem die vorläufige Einigung mit dem Iran aber erreicht ist und eine Lockerung der Sanktionen ansteht, bremsen die Amerikaner Frankreich gnadenlos aus.

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Franzosen sind eher demütig

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  • Stimmt ziemlich alles, aber ganz so negativ wie im Artikel beschrieben ist es nicht. Die USA wissen, dass Frankreich das einzige Land ist, ausser evtl. Grossbritannien, auf das sie bei evtl. intern. Konflikten zaehlen koennen. Das ist das ganze Gegenteil, von der Bundesrep.Deutschland mit der friedliebenden Bevoelkerung, die jede Vernatwortung ablehnt, um sich ganz der Umwelt, s. auch das "fracking" widmen zu duerfen, sich aber erlaubt zu kritisieren oder besserzuwissen.
    Immerhin verbloeden sich die Franzosen nicht wie die Deutschen z.B. mit Anglizismen, sondern verteidigen ihre Sprache,

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