Hollande gegen Sarkozy
Ein Duell ohne Gnade

Bis zur Stichwahl am 6.Mai werden sich der Sozialist Francois Hollande und der zweitplatzierte Staatspräsident Nicolas Sarkozy eine Auseinandersetzung von seltener Härte liefern.
  • 0

ParisIst es Chuzpe oder Galgenhumor? „Wir können mit Zuversicht in die zweite Runde gehen.“ sagte Nicolas Sarkozy gestern Abend, nachdem seine Hoffnung geplatzt war, sich in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl vor seinen Herausforderer Francois Hollande zu setzen. Seine Strategie, die Wähler der extremen Rechten für sich zu gewinnen, ist nicht aufgegangen – und dennoch setzt er jetzt noch einen drauf: „Es geht um die Grenzen unserer Republik, um die Kontrolle der Zuwanderung, um die Sicherheit“.

Alles Kernthemen der Front National, der eigentlichen Siegerin dieses ersten Wahlgangs. Rund 19 Prozent hat ihre Kandidatin Marine Le Pen errungen, mehr als ihr Vater Jean-Marie, von dem sie die Partei quasi geerbt hat, zu seinen besten Zeiten schaffte. Sarkozy hat offenbar trotzdem nicht vor, nun in die Mitte zu rücken. Vor seinen Anhängern gab sich Sarkozy, der Verlierer des ersten Wahlgangs, als großer Versteher der Franzosen: „Das war eine Abstimmung, in der die Krise, die Angst und das Leiden zum Ausdruck gekommen sind – ich verstehe das.“

Dabei ist vor allem „zum Ausdruck gekommen“, dass Sarkozy eine Premiere gelungen ist: Noch nie wurde ein Präsident, der sich zur Wiederwahl stellt, im ersten Wahlgang von seinem Herausforderer auf den zweiten Platz verwiesen – bis gestern. Umso schwieriger wird es nun für den Präsidenten, seine Anhänger für die entscheidende zweite Runde zu mobilisieren. Auch wenn man das Ergebnis vom 6.Mai nicht vorwegnehmen kann: Mit großer Wahrscheinlichkeit wird Frankreichs neuer Staatspräsident Francois Hollande heißen.

Der hat jeden Triumphalismus vermieden. Im Gegensatz zu Sarkozy, der kein Wort der Kritik über die Front National verlor, ging der Sozialist vor allem darauf ein: „Die Tatsache, dass die Front National so stark geworden ist, verlangt jetzt eine große Anstrengung von uns.“ Sarkozy warf er vor, das Spiel der Rechten betrieben zu haben.

Die Unterstützer des Präsidenten wie sein Parteichef Jean-Francois Copé haben bereits deutlich gemacht, mit welchen Themen sie Hollande angreifen wollen. Ganz vorne steht das Kommunalwahlrecht für alle Ausländer, das Hollande einführen will. Es gilt bereits in der Mehrzahl der EU-Mitgliedstaaten – nicht aber in Frankreich und Deutschland.

Zweiter Vorwurf: Hollande wolle die französische Nuklearindustrie opfern und Tausende Arbeitsplätze vernichten. Stimmt zwar nicht – der Sozialist geht sehr ängstlich an die Energiewende heran, die er befürchtet – aber mit der Wahrheit nimmt es Copé nicht so genau. Die Linie ist absehbar: Sarkozy wird nicht für sein eigenes Programm kämpfen, das noch sehr diffus ist, sondern vor allem versuchen, Hollande zu destabilisieren. Die Rollen sind umgekehrt: Der Amtsinhaber verhält sich, als wäre er der Angreifer.

Kommentare zu " Hollande gegen Sarkozy: Ein Duell ohne Gnade"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%