Honduras
Armee vertreibt Zelaya-Anhänger in Honduras

Honduras gestürzter Präsident Manual Zelaya ist in sein Heimatland zurückgehrt und hat sich in der brasilianischen Botschaft verschanzt. Nun fürchtet er eine gewaltsame Erstürmung seines Zufluchtsorts. Vor der Botschaft herrscht bereits Gewalt. Honduras verhängte inzwischen eine Ausgangssperre, die das gesamte Land lahm legt.

HB TEGUCIGALPA. Nach der Rückkehr des gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya steht das öffentliche Leben in Honduras still. Die Übergangsregierung hatte eine Ausgangssperre verhängt. Alle vier internationalen Flughäfen des Landes stellten den Betrieb ein. Banken, Supermärkte, Tankstellen, Schulen, Fabriken und Büros blieben am Dienstag geschlossen. Nur Krankenhäuser und die Medien arbeiteten weiter.

Polizei und Streitkräfte überwachen im ganzen Land Straßen, um Bewegungen der Anhänger Zelayas in Richtung auf die Hauptstadt Tegucigalpa zu verhindern.

Am Morgen hatten Sicherheitskräfte in Tegucigalpa Demonstranten aus dem Gebiet rund um die brasilianische Botschaft vertrieben. Dort hält sich der vor fast drei Monaten gestürzte Präsident seit Montag auf.

Sprecher Zelayas in Managua, der Hauptstadt Nicaraguas, sagten, in Honduras seien Hunderte von Gegnern der honduranischen Regierung festgenommen worden. Die honduranische Polizei sprach dagegen von einigen Festnahmen.

Die Polizei hatte zuvor eine Demonstration vor der brasilianischen Botschaft in der Hauptstadt Tegucigalpa gewaltsam aufgelöst. Dabei setzte sie einem Fotografen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge Tränengas ein. In den umliegenden Krankenhäusern wurden mindestens 20 Demonstranten mit Brüchen an Armen und Beinen sowie Kopfverletzungen eingeliefert.

„Die Botschaft ist von Polizei und Militär umstellt“, sagte Zelaya dem venezolanischen Fernsehsender Telesur. „Ich befürchte, dass größere Akte von Aggressionen auf uns zukommen, dass sie sogar fähig sein könnten, in die brasilianische Botschaft einzudringen.“

Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva erklärte, er erwarte, dass die Anführer des Putsches die Botschaft nicht anrühren würden. Sein Land garantiere für das Recht Zelayas, Zuflucht in der diplomatischen Vertretung Brasiliens zu suchen, betonte Lula weiter. Man tue damit nur, was jedes demokratische Land tun würde. Zugleich rief der brasilianische Präsident die honduranische Übergangsregierung zu Verhandlungen auf, um die politische Krise in dem mittelamerikanischen Land zu lösen.

Der vom Militär gestürzte Präsident war nach drei Monaten im Exil plötzlich und unerwartet in seiner Heimat aufgetaucht. Er suchte am Montag in der brasilianischen Botschaft Zuflucht, um einer Verhaftung durch das Militär zu entgehen. Dort versammelten sich Tausende seiner Anhänger. Er habe große Strapazen auf sich genommen, um auf seinem Weg in die Hauptstadt Posten des Militärs zu umgehen und unerkannt zu bleiben, erklärte Zelaya.

Zelayas plötzliches Auftauchen in Honduras erhöht den Druck auf Machthaber Roberto Micheletti, zugleich steigt damit aber auch die Gefahr gewaltsamer Auseinandersetzungen. Micheletti verlangte umgehend von Brasilien die Auslieferung Zelayas, um diesen vor Gericht zu stellen. Das Militär verhängte zudem eine Ausgangssperre im ganzen Land. Die Europäischen Union und die USA forderten die Konfliktparteien zu einem sofortigen Dialog auf, um einen Gewaltausbruch zu verhindern.

Das Militär hatte den während seiner Amtszeit immer weiter nach links gerückten Zelaya im Streit über eine zweite Amtszeit Ende Juni gestürzt und außer Landes gebracht. Der Vorgang wurde weltweit verurteilt. Zelaya verbrachte seitdem die meiste Zeit in Nicaragua. Die Wahl über Zelayas Nachfolger ist für Ende November geplant.

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