Honduras
Honduras und die Angst vor dem Rückfall

Der Putsch in Honduras macht die alten Probleme des Landes deutlich: Armut und eine tief gespaltene Gesellschaft. Für viele Menschen verkörperte Präsident Zelaya die Hoffnung auf Wandel und ein besseres Leben. Doch gerade seine Sozialpolitik hat die Eliten des Landes gegen ihn aufgebracht – und nun herrscht der Ausnahmezustand.

TEGUCIGALPA. Für diesen Mann würde sie alles geben, sogar ihr Leben. „Wenn es sein muss, sind wir bereit, für ihn zu sterben“, sagt Alison Bayres. Die 40-Jährige steht im Zentrum der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa, um die Schultern hat sie die blau-weiße Fahne ihrer Heimat gelegt, in der Hand hält sie ein Plakat mit einem Mann mit Schnurrbart und einem Cowboyhut: Manuel „Mel“ Zelaya, der gestürzte Staatschef des Landes.

„Mel ist der Einzige, der was für die Armen getan hat“, sagt Bayres. Sie will, dass dieser Mann auch in Zukunft regiert. Dafür gehen Bayres und Tausende anderer am vergangenen Samstag auf die Straßen.

Es ist Tag sieben nach einem Putsch, der Honduras über Nacht ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit katapultierte, weil der Sturz von Zelaya Erinnerungen an die dunklen Tage lateinamerikanischer Diktaturen weckte. Noch vor Morgengrauen holten Soldaten am 28. Juni Präsident Manuel Zelaya aus seinem Haus und schafften ihn außer Landes. Wenige Stunden später vereidigte der Kongress Parlamentspräsident Roberto Micheletti als neuen Staatschef.

Seither ist Honduras in Aufruhr und steht zudem unter politischem Druck aus dem Ausland. So hat die Organisation Amerikanischer Staaten die Übergangsregierung nicht anerkannt und fordert, Zelaya wieder als Präsidenten einzusetzen. Micheletti wiederum lehnt dies ab. Seine Regierung will Zelaya verhaften lassen, sollte er sich nach Hause trauen. 23 Haftbefehle hat die Justiz gegen ihn ausgestellt – unter anderem wegen Hochverrat und Drogenhandel. Am Wochenende schlug sich sogar die einflussreiche katholische Kirche auf die Seite der Putschisten und warnte Zelaya: Mit seiner Rückkehr provoziere er ein „Blutbad“.

Zelaya hat angekündigt, in seine Heimat zurückkommen zu wollen. Doch diesen Plan konnte er nicht verwirklichen. Seine Maschine kreiste über der Hauptstadt Tegucigalpa, konnte aber wegen Hindernissen auf der Landebahn nicht landen. Zelaya war in Washington aufgebrochen, um in Honduras an die Macht zurückzukehren. Tausende Anhänger warteten am Flughafen. Dabei kam es zu Ausschreitungen mit Sicherheitskräften. Zwei Menschen kamen ums Leben.

Seit seinem Sturz tritt der tiefe Riss zutage, der Honduras durchzieht: auf der einen Seite die alten Eliten. Auf der anderen Seite zornige Jugendliche, Bauern, Gewerkschaften und Menschen wie Alison Bayres, für die Zelaya die Hoffnung auf Wandel und ein besseres Leben verkörpert: „Er hat die Schulgebühren abgeschafft, die Schulspeisung eingeführt und den Mindestlohn angehoben“, zählt Bayres auf.

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