Honduras
Oppositionskandidat gewinnt Präsidentenwahl

In Honduras hat der rechtskonservative Oppositionskandidat Porfirio Lobo die Präsidentenwahl gewonnen. Der 61-jährige reiche Landbesitzer kam nach Auszählung von mehr als der Hälfte der Stimmen auf 55 Prozent. Sein schärfster Rivale, Elvin Santos von den regierenden Liberaldemokraten, räumte seine Niederlage ein.
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HB TEGUCIGALPA. Beobachter hoffen, dass mit der Wahl wieder Ruhe in das mittelamerikanische Land einkehrt, das seit fünf Monaten wegen eines Militärputsches gegen den linken Präsidenten Manuel Zelaya in der Krise steckt. Allerdings kündigten einige Regierungen Lateinamerikas wie Brasilien und Venezuela bereits Widerstand gegen die Anerkennung des neuen Präsidenten an. Die USA erklärten lediglich, die Wahl sei für die Honduraner „ein nötiger und wichtiger Schritt nach vorn“.

Die Wahlbeteiligung lag mit 61 Prozent höher als bei der Wahl 2005. Die Vereinten Nationen (Uno) und die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) haben aus Protest gegen den Putsch keine Wahlbeobachter entsandt. Der gestürzte Staatschef Zelaya und der international isolierte Übergangspräsident Roberto Micheletti traten bei der Wahl nicht an. Zelaya befindet sich seit September nach der Rückkehr aus dem Exil in der brasilianischen Botschaft in der Hauptstadt Tegucigalpa. Die Botschaft ist von Polizei und Armee umstellt, bereit den Politiker festzunehmen.

Lobo wird eher als Santos zugetraut, Honduras aus der politischen Krise und diplomatischen Isolation zu führen. „Heute hat Honduras seine Zukunft selbst entschieden, nämlich das Ende der Krise, die uns alle und insbesondere die Ärmsten betroffen hat“, sagte Lobo in seiner Siegesrede. Lobo ist kein politischer Neuling. Er zählt zur traditionellen Regierungselite des Landes und hatte die Wahl vor vier Jahren nur knapp verloren. Lobos Partei hatte sich im Parlament für den Putsch gegen Zelaya ausgesprochen. Lobo selbst nahm nicht an der Abstimmung teil und vermied es, zu dem Thema Position zu beziehen.

Die Wahl am Sonntag, die bereits vor dem Putsch geplant war, lief weitgehend friedlich ab. Lediglich in der Stadt San Pedro Sula kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizisten und Anhängern Zelayas. Zelaya hat die Wahl bereits im Vorfeld als undemokratisch kritisiert und die USA davor gewarnt, das Ergebnis anzuerkennen. Die politische Lage in Honduras war seit dem Ende der Militärherrschaft Anfang der 1980er Jahre stabil gewesen. Doch Zelayas Wunsch nach einer Verfassungsänderung, um sich selbst eine zweite Amtszeit zu ermöglichen, spaltete das rund sieben Mio. Einwohner zählende Land. Im Sommer kam es dann zum Putsch.

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