Honduras
Zelaya-Ausreise stockt wegen Asylfrage

In Honduras sind die Gespräche zwischen dem gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya und der Übergangsregierung über eine Reise Zelayas nach Mexiko ins Stocken geraten. Die Regierung fordert von Zelaya in einem anderen Land Asyl zu beantragen - der will nach Mexiko aber nur als Besucher reisen.
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HB TEGUCIGALPA. Die Übergangsregierung fordert von dem seit knapp drei Monaten in der brasilianischen Botschaft lebenden Zelaya, in einem anderen Land politisches Asyl zu beantragen. Zelaya betonte allerdings am Donnerstag im Rundfunk, er wolle nach Mexiko als Gast reisen, "in keinem Fall ist dies ein Asylantrag oder ein Ersuchen, mein Amt aufzugeben." Unter diesen Umständen seien die Verhandlungen über eine Ausreise abgebrochen, erwiderte der Außenminister der de facto-Regierung, Carlos Lopez, im honduranischen Fernsehen. Falls Zelaya Honduras verlässt, ist eine Rückkehr in den Präsidentenpalast ausgeschlossen. Gleichzeitig wäre es ein Sieg für die Putschisten, die ihn im Juni von der Macht vertrieben hatten.

Ein in engem Kontakt mit dem gestürzten Präsidenten stehender Politiker hatte zuvor gesagt, Zelaya werde Honduras am Mittwoch auf eigenen Wunsch verlassen und wolle noch in der Nacht in Mexiko ankommen.

Zelaya war im Sommer von putschenden Militärs außer Landes gebracht worden und hält sich seit seiner Rückkehr aus dem Exil im September in der brasilianischen Botschaft in der Hauptstadt Tegucigalpa auf. Der Staatsstreich war vom Obersten Gerichtshof und dem Kongress angeordnet worden, die damit eine von Zelaya geplante Volksabstimmung über Verfassungsänderungen verhindern wollten. Ende November wählten die Honduraner den konservativen Geschäftsmann Porfirio Lobo zum neuen Präsidenten. Viele Länder haben die Wahl noch nicht anerkannt, obwohl die Abstimmung lange vor dem Putsch angesetzt wurde. Lobo soll im Januar seine Amtsgeschäfte übernehmen.

Zelaya hat wohl keine Chancen mehr auf eine Rückkehr in sein Amt. Mit überwältigender Mehrheit hatten die Mitglieder des honduranischen Kongresses in der vergangenen Woche gegen die Wiedereinsetzung des linken Politikers gestimmt.

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