Hongkong
Pendler zwischen den Ufern

Zehn Jahre ist es nun her, dass die britische Kronkolonie Hongkong an China zurückgegeben wurde. Seither strahlt Hongkong wie kaum zuvor im Glanz des Geldes. Doch die Metropole und ihre Bewohner sind noch immer auf der Suche nach ihrer Identität.

HONGKONG. Scheppernd landen die Münzen in der silbernen Metallbox. Umgerechnet nur 15 Cent kostet die einfache Fahrt mit der Hongkonger Fähre, der berühmten „Star-Ferry“. Klack, klack, klack – im Sekundentakt öffnet sich das Drehkreuz für die Passagiere. Und jedes Mal prasseln neue Hongkong-Dollar in den Schlund der Blechbüchse. Laut, hart, rhythmisch – das ist die Melodie des Geldes. So klingt Hongkong.

Auch 100 Jahre nach Gründung der legendären „Star-Ferry Co Ltd.“ ist die Überfahrt zum benachbarten Kowloon eine der wichtigsten Lebensadern in der pulsierenden Hafenmetropole. 75 000 Menschen schippert die grün-weiße Flotte täglich im Zehn-Minuten-Takt hin und her. In den Schiffen mit Namen wie „Morning Star“ oder „Electric Star“ stampfen unter Deck die Maschinen, riecht es oben nach Diesel und See.

Schulkinder, Hausfrauen, Rentner, Verkäufer – alle drängeln um die Plätze auf den braunen Holzbänken. Die meisten nehmen den atemberaubenden Postkartenblick auf Hongkong kaum noch wahr. Die Mega-Skyline ist wie eine Visitenkarte der mächtigen, internationalen Finanzwelt. Bank of America, HSBC, Standard Chartered, Citibank – weit leuchten die Schriftzüge der Bankentürme über den Victoria-Hafen.

Zehn Jahre ist es nun her, dass die britische Kronkolonie an China zurückgegeben wurde, am 1. Juli jährt sich der Tag, an dem die Briten ihren Wimpel einholten und China die rote Flagge aufzog. Seither strahlt Hongkong wie kaum zuvor im Glanz des Geldes. Ausgerechnet die Kader der Kommunistischen Partei in Peking haben der kapitalistischsten Metropole der Welt zu neuen Höhenflügen verholfen. Doch noch ist der Übergang nicht völlig vollzogen. Noch sucht die Stadt selbst, ihre Bewohner, nach dem richtigen Kurs.

Vor allem Börsengänge chinesischer Großbanken heizten den Boom in den vergangenen Jahren an. Hongkong schaffte mit neuen Listings im Wert von 41,2 Milliarden US-Dollar 2006 den Sprung an die Weltspitze – 90 Prozent davon brachten Notierungen aus China. Nach dem Schock der Asienkrise und der Angstwelle durch die Lungenseuche SARS, bei der 299 Menschen in Hongkong starben, brummen Wirtschaft und Börse wieder. Ausländisches Kapital und internationale Firmen strömen in die Stadt. Seit der Rückgabe 1997 ist die Zahl der internationalen Konzerne mit Asien-Zentrale in Hongkong von 935 auf 1 228 gestiegen.

Seite 1:

Pendler zwischen den Ufern

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%