Hongkong
Räumungs-Blitzaktion im Morgengrauen

Die Polizei in Hongkong hat ein weiteres Protestlager geräumt. Zelte, Regenschirme und Barrikaden wurden beseitigt - Hundertschaften der Polizei standen für den Notfall bereit. Dabei gab es kaum Widerstand.
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HongkongHunderte Polizeikräfte haben am Freitag in Hongkong Barrikaden, Zelte und Abdeckungen prodemokratischer Demonstranten abgerissen. Ausgestattet mit Helmen und Schildern drangen die Beamten am Morgen in das Camp der Aktivisten im Stadtteil Mong Kok ein, um Absperrungen und Unterschlüpfe niederzureißen. Diese blockierten seit mehr als zwei Wochen einige der wichtigsten Straßen der Finanzmetropole. Zuvor hatte der unbeliebte Hongkonger Regierungschef Leung Chun Ying den Demonstranten Gespräche zur Entschärfung des Protestes angeboten.

Der dritte Einsatz dieser Art in den vergangenen Tagen dauerte nur etwa 30 Minuten. Gegen 5.00 Uhr morgens Ortszeit überrumpelten Polizisten die wenigen verbliebenen Demonstranten am Lager in Mong Kok, wie lokale Medien berichteten. Die Beamten rissen Barrikaden aus Metall, Bambus und weiterem Holz nieder, mit denen die Protestierenden die Straßen blockierten. 30 Demonstranten wurden umzingelt, weil sie ihren Widerstand nicht aufgeben wollten. Zu größeren Zusammenstößen kam es aber nicht. Die Hauptverkehrsstraße in dem Stadtteil Admiralty nahe dem Finanzdistrikt blieb in der Hand der Demonstranten.

Die Polizei teilte mit, den Aufenthaltsort der Aktivisten nicht gänzlich räumen zu wollen. Bereits wenige Minuten nach dem Polizeieinsatz machten sich Aktivisten erneut daran, sich auf den Straßen niederzulassen.

In Mong Kok campieren die Demonstranten seit Wochen. Der dicht besiedelte Ort befindet sich am Victoria Harbour gegenüber des Zentrums der Proteste im Finanzdistrikt der chinesischen Sonderverwaltungszone.

Zur Beruhigung der wochenlangen Proteste hatte Leung nach der Absage eines geplanten Treffens vor einer Woche am Donnerstag doch Gespräche über Reformen angeboten. Der Regierungschef machte jedoch deutlich, dass der Spielraum der Verhandlungen nur eng begrenzt sei. Alex Chow von der Studentenvereinigung begrüßte das Gesprächsangebot, übte aber Kritik daran, dass Leung die Auflagen Pekings bei der Wahl eines Regierungschefs 2017 nicht zur Debatte stellen wolle. Demonstranten auf den Straßen reagierten ähnlich.

Leung blieb bei seiner Aussage, dass Peking seine Entscheidung, Kandidaten durch ein Komitee festzulegen, nicht rückgängig machen werde. Trotzdem gebe es einen Spielraum für Verhandlungen darüber, wie das Komitee gebildet werde, das die Kandidaten nominiere.

Die Aktivisten verlangen die freie Wahl des Regierungschefs im Jahr 2017. Peking hatte dagegen bestimmt, dass ein ihm genehmes Komitee festlegt, wer überhaupt kandidieren darf. Das bedeutet, dass die chinesische Regierung die Nominierten überprüfen darf, bevor sie öffentlich gewählt werden können. Zudem fordern die Demonstranten Leungs Rücktritt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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