Hongkong
WTO-Gipfel hat begonnen

Minister aus 149 Mitgliedstaaten sind in Hongkong zum Gipfel der Welthandelsorganisation (WTO) zusammengekommen. Sie wollen bis Sonntag über Zollsenkungen und Einfuhrerleichterungen diskutieren. In den Straßen der chinesischen Sonderverwaltungszone demonstrierten derweil tausende von Globalisierungskritikern.

HB HONGKONG. Konkrete Ergebnisse werden von dem Treffen nicht erwartet. Der indische Handelsminister Kamal Nath sagte, es werde den WTO-Mitgliedern schwer fallen, sich auf einen Abbau der Agrarsubventionen zu einigen. Er rechne jedoch nicht mit einem Scheitern des Treffens, wie es vor zwei Jahren in Cancun in Mexiko geschehen sei. Nath betonte, die Entwicklungsländer könnten nicht hinnehmen, dass die Ungerechtigkeiten im Welthandel fortgesetzt würden.

Deutschland will nach den Worten von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos so „viele Zölle wie möglich abschaffen“. Der CSU-Politiker sagte im ARD-Morgenmagazin, die Deutschen sei ja Exportweltmeister. Ziel der Bundesregierung sei es auch, auf dem weltweiten Markt der Dienstleistungen weiter Fuß zu fassen und weitere Handelshindernisse wie komplizierte Zollabfertigungen abzuschaffen.

Was genau ist die WTO? Lesen Sie es im neuen Handelsblatt-Wirtschaftswiki nach - und wenn Ihnen die Erklärung nicht ausreicht, ergänzen und verbessern Sie sie:

» WTO im Wirtschaftswiki.

An der Massendemonstration gegen das Treffen beteiligten sich auch zahlreiche Bauern aus Südkorea und Fischer aus verschiedenen südostasiatischen Ländern, die sich vom Freihandel in ihrer Existenz bedroht fühlen. Die Polizei versucht mit einem Großaufgebot, mögliche Ausschreitungen zu verhindern. Verschiedene WTO-kritische Gruppen warfen der EU vor, ihre Handelspolitik ausschließlich an den Interessen der großen Konzerne auszurichten.

Die Umweltorganisation „Friends of the Earth“ kritisierte am Dienstag, dass die im Zuge der WTO-Verhandlungen geplante Liberalisierung des Handels mit Fisch und Holz eine Überfischung der Meere und eine Vernichtung der Wälder zur Folge hätte. Die Gruppe „War on Want“ warf den Industrieländern vor, dass ihre Forderung nach einer kräftigen Senkung der Industriezölle der Entwicklungsländer dort Millionen Arbeitsplätze gefährde. Vertreter französischer Bauernorganisationen warfen der EU eine zerstörische Agrarpolitik vor.

Die demonstrierenden asiatischen Fischer waren vor der Eröffnung der sechsten WTO-Ministerkonferenz mit einem Schiff vor dem Kongresszentrum in Hongkong vorgefahren. Die südkoreanischen Bauern wollten am Dienstag auch eines Mitkämpfers gedenken, der sich während der Anti-WTO-Proteste 2003 in Cancún das Leben genommen hatte. Die Südkoreaner wehren sich gegen den Import von billigem Reis, mit dem sie nicht konkurrieren können.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%