Hooligans bei der EM
Frankreich sucht eine Sicherheits-Strategie

Nach den EM-Randalen zwischen russischen und englischen Hooligans hat die französische Polizei zwar Die Justiz reagiert mit Schnellverfahren gegen die Randalierer. Doch eine echte Strategie fehlt.

Clairefontaine/MarseilleNach den heftigen EM-Randalen in Marseille hat die französische Polizei keinen einzigen der russischen Hooligans fassen können. Dies gestand Staatsanwaltschaft Brice Robin am Montag in der südfranzösischen Hafenstadt ein. Dagegen solle wegen der Gewalt sechs Briten, einem Österreicher und drei Franzosen, die festgenommen werden konnten, noch im Laufe des Tages in einem Schnellverfahren der Prozess gemacht werden. Die Staatsanwaltschaft will unter anderem Haftstrafen fordern.

Bei den Zusammenstößen am Rande der Partie England gegen Russland waren am Samstag 35 Menschen verletzt worden, einige von ihnen schwer. Ein englischer Fan, der schwere Kopfverletzungen erlitt, schwebe nach wie vor in Lebensgefahr, sagte Robin. „Seine Angreifer wurden nicht identifiziert.“ Der Staatsanwalt sprach von 150 russischen Hooligans, die „extrem trainiert“ gewesen seien.

Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve gab am Sonntagabend eine Anordnung zum Verbot des Alkoholverkaufs im Umfeld von EM-Spielen heraus. Er habe diese Maßnahme ergriffen, um an Spieltagen, den Tagen davor und bei Öffnung von Fanmeilen in den „sensiblen Bereichen“ den Kauf, den Konsum und den Transport alkoholischer Getränke zu verhindern. Er begründete den Schritt mit den gewaltsamen Vorfällen von Marseille, bei denen viel Alkohol im Spiel war.

Das Innenministerium in Paris veröffentlichte am Sonntagabend eine Zwischenbilanz: Seit Beginn des Turniers am Freitag seien 116 Menschen festgenommen worden, 63 von ihnen seien in Polizeigewahrsam. Drei Fans seien wegen Gewalttätigkeiten aus Frankreich ausgewiesen worden. Gegen fünf Hooligans sei ein Einreiseverbot wegen des Risikos für die öffentliche Ordnung verhängt worden.

Vor dem EM-Spiel Deutschland-Ukraine lieferten sich am Sonntagabend Fans beider Länder am Austragungsort Lille in Nordfrankreich gewaltsame Auseinandersetzungen. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP beobachtete, wie dutzende Fans einige Minuten lang Flaschen warfen und sich mit Fausthieben und Tritten traktierten. Die französischen Sicherheitskräfte teilten mit, es habe einen Verletzten gegeben, der sich nicht ins Krankenhaus bringen lassen wollte. Nach Informationen deutscher Polizeikräfte in Lille waren rund 50 Deutsche an den Krawallen beteiligt.

Die deutsche Bundespolizei hinderte vor dem Spiel 21 Hooligans an der Ausreise nach Frankreich. In der Nacht zum Sonntag seien in der Nähe von Trier 18 „gewaltbereite Fußballfans festgestellt“ worden, teilte die Bundespolizei mit. Im Laufe des Tages sei dann drei weiteren gewaltbereiten Fußballanhängern die Ausreise untersagt worden.

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„Stadionverbote allein reichen nicht aus“

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