Horn von Afrika
Uno sieht Hungersnot fast ohnmächtig zu

Der Fluss schwillt an, spült die karge Bodenkrume davon. Monatelang wirbelte der Wind im Norden Kenias nur heißen Staub auf, die letzten winzigen Maispflänzchen verdorrten. Jetzt kommen die unerwarteten Regenmassen zu spät, spülen gar die letzten Nahrungsmittelvorräte davon. Am Horn von Afrika bedroht der Hungertod acht Millionen Menschen. Auch in den vier Sahel-Ländern Burkina Faso, Mali, Mauretanien und Niger herrscht Trockenheit. Allein in dieser Region, so befürchtet die Uno, werden dieses Jahr 300 000 Kinder an Mangelernährung und Erschöpfung sterben

GENF / KAPSTADT. Fast täglich warnt der Uno-Koordinator für humanitäre Hilfe, Jan Egeland: „Die Lage spitzt sich stündlich zu.“ Doch die Uno muss der aufziehenden Tragödie fast ohnmächtig zusehen: Leere Kassen, korrupte Regierungen und die katastrophale Infrastruktur machen eine effiziente Rettungsaktion für die Millionen Opfer unmöglich.

Verschärft wird die Lage durch einen kaum zu besiegenden Feind: „Der Hauptgrund für die katastrophale Lage in vielen Ländern ist der Klimawandel“, analysiert der Uno-Sonderbeauftragte für das Horn von Afrika, Kjell M. Bondevik. „Die Häufigkeit der Dürren lässt keinen anderen Schluss zu.“ In den vergangenen sechs Jahren, so der Ex-Premier Norwegens, hätten vier Trockenperioden das Horn von Afrika heimgesucht. Die Länder des Nordens aber hätten den Klimawandel provoziert. „Jetzt haben sie eine moralische Verpflichtung, zu helfen“, fordert der Uno-Beauftragte Bondevik.

Doch die Reichen spenden kaum: So klagt das Welternährungsprogramm (WFP) seit Wochen über eine schwere Finanzkrise. Die größte humanitäre Organisation der Welt muss jetzt ihre Geldreserven aufzehren, um die gröbste Not zu lindern. „Wir können diese interne Kreditfinanzierung nicht beliebig wiederholen, die internationale Gemeinschaft muss unsere Kassen auffüllen“, verlangt WFP-Direktor James Morris.

Während der Hungersnot in Niger mussten 2005 erst die Fernsehbilder sterbender Babys um die Welt gehen, bevor die wohlhabenden Länder zu spenden begannen. Doch im Frühjahr 2006 finden nur wenige internationale Kamerateams den Weg in Afrikas Dürre-Zonen – der so genannte CNN-Effekt bleibt aus.

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