Horror-Szenario
Unternehmer warnen vor dem Euro-Kollaps

Der Plan der Euro-Retter, Krisenländer mit Sparauflagen zu disziplinieren, geht nicht auf. In Spanien gehen die Menschen auf die Straße, andere Schuldenstaaten stellen sich quer. Die deutsche Wirtschaft schlägt Alarm.
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BerlinIn Europa geht die Euro-Angst um. Es mehren sich die Sorgen, dass die Währungsunion schneller zerbrechen könnte, als die Staats- und Regierungschefs in der Lage sind, die Risse zu kitten. Auch die jüngsten EU-Beschlüsse haben nicht zur Beruhigung der Lage beigetragen. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnt vor "dramatischen Folgen" einer Kombination von Finanz-, Banken- und Schuldenkrise. BMW-Chef Norbert Reithofer sagt bei einer Rückkehr zur D-Mark eine massive Aufwertung voraus, "die das deutsche Exportwunder weitgehend zunichtemachen würde“.

Beim jüngsten Gipfel hatten die europäischen Staats- und Regierungschefs beschlossen, unter dem Dach der Europäischen Zentralbank (EZB) eine gemeinsame Bankenaufsicht für die 17 Länder der Währungsgemeinschaft aus der Taufe zu heben. Der Beschluss gilt als erster Schritt auf dem Weg hin zu einer sogenannten Banken-Union, die am Ende auch über eine gemeinsame Einlagensicherung und einen Abwicklungsfonds für gescheiterte Banken verfügen soll.

Ein weiterer Beschluss sieht vor, dass der bald startende Euro-Rettungsmechanismus ESM Finanzhilfen auch direkt an Banken zahlen darf - vorausgesetzt, die gemeinsame Bankenaufsicht steht. Geplant ist dies für das nächste Jahr. Doch Euro-Skeptiker befürchten, dass dies zu spät sein könnte.

Das hat nicht zuletzt auch damit zu tun, dass ausgerechnet Deutschland, dessen Regierung stets auf einen möglichst frühen Start des ESM gedrängt hat, jetzt zum Nachzügler bei der Ratifizierung wird. Das Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht führt dazu, dass der Bundespräsident das notwendige deutsche Gesetz wohl frühestens in drei Monaten unterschreiben kann. Gegen den ESM und den Fiskalpakt haben zahlreiche Abgeordnete und Bürger geklagt.

Finanzminister Wolfgang Schäuble hofft, dass das Gericht noch im Sommer bekanntgibt, ob es den Eilanträgen stattgibt oder nicht. Eine verspätete Ratifizierung verunsichere die Finanzmärkte und gefährde die Stabilität der Euro-Zone, warnte Schäuble. 

Gefährlich werden könnte allerdings auch der Umstand, dass die Rettungspolitik ins Leere driftet, da insbesondere Deutschland mit seiner harten Haltung gegenüber den Krisenländern in die Defensive geraten könnte. Mit ihrem spanischen Patienten zeigen sich die Euro-Retter schon gnädig, indem sie schon zum zweiten Mal seit Ausbruch der Krise Madrid ein Jahr mehr Zeit gewähren, seine Sparverpflichtungen zu erfüllen. Premier Rajoy stellte im Gegenzug ein strenges Sparprogramm vor, provozierte damit aber heftige Proteste.

Und auch Griechenland, Portugal und Irland dringen auf Zugeständnisse. Damit steht die von Berlin bislang verordnete Haushaltssanierung als Königsweg aus der Krise zunehmend infrage. Die Folgen könnten gravierend sein.

Kommentare zu " Horror-Szenario: Unternehmer warnen vor dem Euro-Kollaps"

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  • BAILING OUT A STATE IS NOT AN OPTION – Schuldenhaftung für einen Dollar-Bundesstaat kommt nicht infrage, um nicht die Stabilität des Dollar zu gefährden.

    Diese seit Jahrhunderten erfolgreiche NO-BAILOUT-Doktrin wurde in den Art.125 AEUV des EURO-STABILITÄTSPAKTES 1992 Maastricht übernommen, aber seit 9. Mai 2010 beginnend mit der 'Greece Rescue' gebrochen.

    Seitdem geht es mit der Stabilität des Euro erst schleichend, jetzt immer mehr, bergab. Kein Wunder !

    Wie wird also die Stabilität des Euro gerettet ?

    Durch striktes Einhalten der Art.125 AEUV und der zweiten Stabilitäts-Doktrin in Art.123 AEUV betr. EZB, die beginnend 2010 ebenfalls zur Rettung/Refinanzierung von Rothschilds und Sarkozys Großbanken in Frankreich gebrochen wurde.

    KEINE SCHULDEN-UNION ! EURO-STABILITÄTSPAKT MAASTRICHT 123 und 125 EINHALTEN ! KEIN BANKEN-RETTUNGSVEREIN !

  • @Gnomon,
    was Sie schreiben, klingt zu großen Teilen plausibel.

    Ihrer Schlussfolgerung

    # Besser also EURO Austritt jetzt und nicht morgen! (wenn die anderen austreten werden) #

    kann ich nicht ganz folgen aus folgenden Gründen:

    (1) Zu # Das Paradoxon haben BMW und Co. scheinbar noch gar nicht begriffen:#

    Wen meinen Sie mit BMW und Co., es sind die Besitzer und Shareholders von BMW, die Multimilliardärin Susanne Klatten vom Quandt-Erbenclan und alle anderen deutschen Multimillionäre.

    Sie, Gnomon, haben scheinbar noch nichts begriffen. Auch nicht was H-W. Sinn kürzlich im Phoenix-Dialog (s. Internet) gesagt hat über das Pokerspiel der Ganz-Weit-Oben gegen den Rest der Welt, also gegen Sie und mich. Sie können höchstens ein nützlicher Idiot sei, sonst würden Sie hier nicht kommentieren.

    Der Herr Euro war und ist noch wie der 'Moor von Venedig' nur ein nützlicher Idiot, denn in deren Sprache ist er ein Financial Tool for Siphoning German (Social) Funds. Die Ausbeutung der deutschen Arbeitskräfte durch 'Lohnzurückhaltung' hat diesen Finance-Clans viele, viele, viele Milliarden beschert, allerdings heute auch in ClubMed-Kapitalanlagen, die bisher teilweise 'EFSF-euro-gerettet' wurden vom Rest der Welt, also Ihnen und mir.

    (2) Das wichtigste Argument ist aber das Erfolgsrezept der innerstaatlichen Dollar-Stabilität der Vereinigten Staaten von Amerika: Da ist nämlich jeder Bundesstaat für seinen Staatshaushalt (sovereign budget) allein verantwortlich, er darf ihn wie der Gouverneur von Kalifornien Arnie Schwarzenegger vor zwei Jahren in die Staats-Insolvenz misswirtschaften, ohne dass ihn der Nachbarstaat Texas, oder Obama oder Fed-Bernanke 'dollar-rettet'. Als Arnie um Bailing-Out zur 'California Rescue' anfragte, sagte Bernanke in Übereinstimmung mit Obama die berühmten Worte

    BAILING OUT A STATE IS NOT AN OPTION – Schuldenhaftung für einen Dollar-Bundesstaat kommt nicht infrage, um nicht die Stabilität des Dollar zu gefährden.

  • @PRAWDA, hundertprozentige Ablehnung!

    Gratuliere zum neuen Nick, denn Prawda steht für Agitprop unter dem Etikett Wahrheit /Prawda. Sie persönlich waren doch einer der 'größenwahnsinnigen Einpeitscher', die diesen Marionetten Schmidt, Genscher und Kohl eine Plattform gegeben, und Prof. Hankel tot geschwiegen und verunglimpft haben. Wie auch Prof. Sinn mit seiner Warnung vor den Target2-Risiken.

    Die Prawda/Truth/Wahrhei lautet: Das Project 'Euro for Siphoning Europaen and especially German Funds and Prosperity' geht in seine Endphase, nämlich durch Horrorszenarien die Euro-Staaten in den ES-Mechanismus unter dem Regime der supranationalen ESM-Schattenbank zu treiben, nämlich die dauerhafte Schulden-Versklavung aller der Staaten, die dieses ES-Machwerk ratifizieren. Deshalb steht auch die Schulden/Banken-Union ganz oben.

    Wie schon Shakespeare sagte: „Der Euro hat seine Schuldigkeit getan, der Euro kann gehen“. Denn der ESM-Versklavungs-Vertrag gilt völkerrechtlich für alle Zeiten, deshalb hat er nichts mit dem Euro zu tun, denn Schulden bleiben Schulden, die kann man leicht umrechnen, von Euro in DM oder Francs.

    WEG MIT DEM ESM! WIDER DIE ESM-VERSKLAVUNG! NIEDER MIT DIESER EU-BANKEN-UNION!
    ZURÜCK ZU MAASTRICHT ART.125 KEINE-SCHULDEN-GEMEINSCHAFT!

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