Horrorszenario für den Irak
Risse im gefährlichsten Staudamm der Welt

500.000 Tote, Bagdad überflutet: Bricht der Mossul-Damm, droht dem Nordirak dieses Horrorszenario. Denn nach elf Tagen unter IS-Kontrolle ist die Konstruktion maroder denn je. Sogar US-Präsident Obama schaltet sich ein.

Bagdad, KairoMarodes Mauerwerk und immer größere Risse: Die Staumauer des Mossul-Damms im Nordirak könnte bersten, warnt US-General Sean MacFarland, der vor Ort die westliche Allianz gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kommandiert. „Wenn es passiert, wird es schnell gehen. Und das ist schlecht“, prohezeit MacFarland.

Taucher untersuchten derzeit die Fundamente der 113 Meter hohen und 3400 Meter langen Sperre, welche Ingenieure der US-Armee als den gefährlichsten Damm der Welt ansehen. Das Bauwerk sei „in jeder Hinsicht unsicher“. Sein Kollaps könne 500.000 Menschen in den Tod reißen und eine Million Anwohner obdachlos machen, urteilten die Fachleute.

Und die Gefahr wächst. Denn Ende Februar setzt in den türkischen Bergen die Schneeschmelze ein und lässt die Wassermassen des Tigris anschwellen. Und seit der IS die Sperre im August 2014 für elf Tage in seine Gewalt brachte, bevor kurdische Peschmerga-Kämpfer sie zurückeroberten, sind alle Wartungsarbeiten gestoppt worden und es klaffen immer größere Risse in der maroden Konstruktion.

1984 von Diktator Saddam Hussein als Prestigeprojekt errichtet, war der Damm von Anfang an ein chronischer Problemfall. Acht Milliarden Kubikmeter sind im dem größten Süßwasser-Reservoir des Irak aufgestaut, von dem Millionen Menschen mit ihrem Trinkwasser und zehntausende Bauern mit ihrer Feldbewässerung abhängen.

Die Staumauer steht jedoch auf einem Untergrund aus Gips, Kalkstein und Tonerde. Das unterirdische Wasser wäscht das weiche Material ständig aus und untergräbt das Fundament durch immer neue Hohlräume. Während der Saddam-Zeit hielt die Barriere nur, weil Arbeiter jeden Tag rund um die Uhr das löchrige Erdreich mit großen Mengen Zement füllten, insgesamt mehr als 50.000 Tonnen.

Doch nach der kurzen Kontrolle durch den IS im Sommer 2014 waren „alle Maschinen weg und alle Arbeiter verschwunden“, bilanzierte ein Sprecher der US-Armee. Obendrein steht das Zementwerk in Mossul, welches die spezielle Füllmischung produzierte, nun unter der Kontrolle der Gotteskrieger.

Die Folgen eines Dammbruchs haben irakische Wissenschaftler bereits 2009 in einem Gutachten beschrieben. Innerhalb von zwei Stunden würde die Zwei-Millionen-Metropole Mossul von einer zwanzig Meter hohen Flutwelle des Tigris überschwemmt, genauso wie die weiter flussabwärts liegenden Städte Tikrit und Samara.

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