Horst Köhlers Mission
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Horst Köhler hat eine Mission in eigener Sache: Er mag seinen Job. Um Anfang 2009 auch von der SPD gewählt zu werden, reist der Bundespräsident nun bis in den Urwald. Denn noch erkennen die Genossen im früheren Direktor des Internationalen Währungsfonds eher einen „Neoliberalen“ und einen „Mann des Kapitals“. Das muss sich ändern.

MANAUS. Das Oberdeck der „Premium“ ist der sicherste Ort in der grünen Hölle Amazoniens. Zumindest am heutigen megaschwülen Montag. „El Presidente“ Horst Köhler schaut in den malzdunklen Rio Negro. Militärhubschrauber schwirren wie schwarze Drohnen über dem Amazonas-Dampfer, der Gedanken an den tollkühnen Film „Fitzcarraldo“ weckt. Der Bundespräsident schippert vor Manaus, der Hauptstadt Amazoniens.

Einst als grüne Hölle gefürchtet, deckt Amazonien ein Fünftel Brasiliens ab, 90 Prozent Amazoniens bestehen aus Regenwald: 1,5 Millionen Quadratkilometer weit. Noch, denn er ist bedroht. Während früher fiebrige Conquistadores wie „Aguirre“ – wie „Fitzcarraldo“ einst von Klaus Kinski fiebrig verkörpert – mit ihrem phantastischen Enthusiasmus auf der Suche nach Gold und Kautschuk wüteten und nebenher ein Opernhaus in den Wald stellten, ist es nun eher brutaler Realismus, der den Bundespräsidenten hierher treibt – seine Wiederwahl im Frühjahr 2009.

Dafür geht Horst Köhler die wirklich großen Probleme an. Zwar ist Manaus mit seinen 1,7 Millionen Einwohnern eine relativ blühende Freihandelszone mit 500 teils internationalen Firmen. Gleichzeitig aber verwandelt sich die einst von den Gummibaronen so geschätzte Region in ein Dorado für Holzfäller. Mehr und mehr Wald wird für Soja- und Zuckerrohranbau geopfert – meist illegal.

Horst Köhler weiß: Der Raubbau am Regenwald ist der Lungenkrebs der Erde. Wird den Wucherungen nicht Einhalt geboten, wird der Erdball eines Tages an sich und seinen Ausdünstungen ersticken.

„Ich könnte sehr gut verstehen, wenn Sie die Industrie viel, viel aggressiver kritisieren würden,“ ruft er auf dem Deck der „Premium“ Muriel Saragoussi zu, Staatssekretärin im brasilianischen Umweltministerium. Die hatte in recht milden Worten darauf hingewiesen, dass Experten – auch des deutschen Max-Planck-Instituts – vor dem unwiderruflichen Raubbau am Regenwald warnen.

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