„House of Cards“: „Der Mann boxt wirklich einiges durch'“

„House of Cards“
„Der Mann boxt wirklich einiges durch'“

Mit Augenzwinkern wünscht sich US-Präsident Obama, die politische Realität in Washington wäre etwas mehr wie in der US-Kultserie „House of Cards“. Doch schon jetzt gibt es einige Parallelen. Die Serie im Realitätscheck.
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DüsseldorfEin tiefer Blick in die Kamera, die Lippen süffisant gekräuselt. „Ich bin nicht sehr geduldig, wenn etwas sinnlos ist.“ Francis Joseph „Frank“ Underwood alias Oscar-Gewinner Kevin Spacey repräsentiert in der US-Serie „House of Cards“ einen Kongressabgeordneten aus dem Bilderbuch der bösen Polit-Klischees: mächtig, egoistisch, rachsüchtig. Jetzt gehen seine Spielchen um Position, Vertrauen und Verrat im Weißen Haus weiter; im Februar 2015 startet die dritte Staffel.

In Underwoods Welt existiert ein demokratisch-geführtes Pennsylvania nicht. Es regiert der einflussreiche, skrupellose Politiker; menschliche Gefühle werden abgeschaltet. „Es gibt zwei Arten von Schmerzen. Den Schmerz, der einen stärkt. Und sinnlosen Schmerz.“ In der Fiktion ist das spannend und unterhaltsam. Doch wie sieht es in der Realität aus?

In den USA sind Politiker gleichsam Unternehmer, agieren nach eigenen Zielen und nicht nach denen, ihrer Partei. Die US-Abgeordneten sind für wichtige Entscheidungen nicht zwingend auf die Unterstützung der eigenen Partei angewiesen. Dort dreht sich der Spielball viel mehr um Interessengruppen, lokal sowie staatenübergreifend. „Das politische System der USA bietet diesen Politunternehmern ein optimales Betätigungsfeld“, heißt es bei er Bundeszentrale für politische Bildung.

Der Einfluss von Interessengruppen sei erheblich, vor allem bei den Kongresswahlen. Das schafft Räume der Macht und birgt Gefahren. „Einzelne Politiker laufen ständig Gefahr, im Rahmen einflussreicher Kampagnen an den Pranger gestellt und gegebenenfalls bei der Kandidatur um eine Wiederwahl persönlich zur Rechenschaft gezogen zu werden.“

Wie gesplittet die amerikanische Politik ist, zeigt die jüngste Kongresswahl. Blockadepolitik statt konstruktiver Debatte – die wiedererstarkten Republikaner im Kongress zeigen Präsident Obama bereits zu Anfang die Stirn.

Zum Beispiel wollen sie eine Öl-Pipeline durchsetzen, gegen die die Demokraten sturm laufen. Obama soll sogar angekündigt haben, sie im Alleingang stoppen zu wollen, wenn nötig.

„Solche Machtkämpfe existieren in jedem politischen System“, meint Thomas Jäger, Leiter des Lehrstuhls für Internationale Politik und Außenpolitik an der Universität Köln. „Freund, Feind, Parteifreund“ würde das Verhältnis genügend beschreiben, wobei man in den USA eben nicht unbedingt die „Gefolgschaft innerhalb der Partei“ bräuchte.

Jeder Politiker hat einen Gegenspieler. In Obamas Fall ist das aktuell der Kongress.

In der fiktiven Welt von Underwood ist das etwa der Präsident Garrett Walker. Der sorgte einst dafür, dass Underwood nicht zum Außenminister befördert wurde. Mit dieser offenen Rechnung und Underwoods Racheplan beginnt „House of Cards“. Nach und nach baut der seine Macht aus, zieht Strippen und schafft es schließlich, sogar den Präsidenten mehr als einmal zu seinem Vorteil einzusetzen. Für ihn sind alle seine Gegner Spielfiguren, Marionetten aus Politik und Wirtschaft.

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