Hubschrauber-Angriff
Pakistan übt schwere Kritik an Nato-Beschuss

Islamabad verurteilt den Militärschlag nahe der afghanischen Grenze und hat als Reaktion eine Nato-Versorgungsroute geschlossen. Mindestens 25 Soldaten sollen getötet worden sein. Die Nato verspricht eine Untersuchung.
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PeshawarBei einem Luftangriff von Nato-Hubschraubern auf zwei pakistanische Militärposten sind nach Regierungsangaben 25 Soldaten getötet worden. Die pakistanische Führung spricht von 26 Toten. Nach dem Zwischenfall im Nordwesten des Landes an der Grenze zu Afghanistan schloss Pakistan am Samstag eine wichtige Nachschubroute für die afghanische ISAF-Truppe.

Die Nato kündigte daraufhin eine Untersuchung des Vorfalls an. In einer Erklärung vom Samstag sprach der Oberbefehlshaber der Nato-Schutztruppe ISAF in Afghanistan, John Allen, sein Bedauern über mögliche Tote oder Verletzte unter den pakistanischen Sicherheitskräften aus. Zu dem tödlichen Angriff bekannte sich das Militärbündnis mit Verweis auf die fortdauernde Untersuchung aber nicht. Die Stammesregionen im Nordwesten Pakistans gelten als Rückzugsraum radikaler Islamisten. Die USA fliegen immer wieder Drohnenangriffe auf Aufständische in der Region, was von pakistanischer Seite kritisiert wird.

Die pakistanischen Streitkräfte erklärten am Samstag in einer Stellungnahme, die Nato-Hubschrauber hätten am Vorabend in der Stammesregion Mohmand willkürlich das Feuer auf zwei Kontrollposten eröffnet. Sie seien nicht provoziert worden. Das staatliche Fernsehen berichtete von 25 getöteten Soldaten. Zwei Behördenmitarbeiter in Mohmand bestätigten die Angaben. 14 weitere Soldaten seien verletzt worden.

Gewährspersonen in Mohmand und Peshawar sagten, die Hubschrauber hätten zwei etwa 300 Meter voneinander entfernte Kontrollpunkte angegriffen. Ein Posten sei zwei Mal angegriffen worden. Unter den Todesopfer seien zwei Offiziere. Der Gouverneur der Provinz Khyber Pakhtunkhwa sprach von einem „Angriff auf die pakistanische Souveränität“.

Der pakistanische Ministerpräsident Yusuf Raza Gilani verurteilte den mutmaßlichen Nato-Angriff. Seine Regierung werde von der Nato und den USA aufs Schärfste eine Erklärung verlangen, hieß es in einer Stellungnahme. Gilani kehrte von einer Wochenendreise nach Islamabad zurück, um sich mit Präsident Asif Ali Zardari und Armeestabschef Ashfaq Kayani zu beraten. Für Sonntag setzte er weitere Treffen an.

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