Hubschrauber-Deal in Indien gescheitert
USA vermasseln offenbar EADS Großauftrag

Die EADS-Tochter Eurocopter hat in Indien einen Großauftrag in Höhe von 600 Millionen Dollar verloren. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums begründete die Annullierung mit einer „Abweichung von genehmigten Parametern“. Dagegen vermuten Diplomaten und Branchenkenner einen ganz anderen Hintergrund.

NEU DELHI. Washington spielt seinen wachsenden Einfluss zu einem kritischen Zeitpunkt aus: Nächstes Jahr will Indien 126 Kampflugzeuge im Wert von zehn Mrd. Dollar kaufen. Es handelt sich um eines der weltweit größten Beschaffungsaufträge im Rüstungsbereich. Dabei tritt EADS mit dem Eurofighter an – unter anderem gegen Lockheeds F-16 und Boeings F-18.

Die Stornierung des Hubschrauber-Deals verdeutlicht die politischen Hürden, denen sich europäische Waffenlieferanten auf dem attraktiven indischen Markt gegenüber sehen. "Das zeigt, wie stark die Amerikaner hier neuerdings auftreten“, sagt ein Brancheninsider. Damit sänken die Chancen des Eurofighters.

Im Februar hatte die Armee Eurocopter zum Gewinner einer Ausschreibung über 197 leichte Aufklärungshubschrauber gekürt. Zuvor war der US-Konkurrent Bell bei Flugtests an technischen Anforderungen gescheitert. Nun hat das Verteidigungsministerium den Auftrag wegen Unregelmäßigkeiten annulliert und eine Neuausschreibung verfügt.

Eurocopter dementiert alle Anschuldigungen als "frei erfunden“ und Teil einer "böswilligen Pressekampagne“. Falsch sei die Behauptung, das Unternehmen habe mit dem Modell Ecureuil eine zivile Version seines Militärhubschraubers Fennec für Tests nach Indien geschickt und damit gegen Ausschreibungsbedingungen verstoßen. Beide Maschinen seien bis auf die Waffensysteme baugleich. Auch US-Konkurrent Bell sei mit einer zivilen Maschine bei den Flugprüfungen angetreten. Zudem wehren sich die Europäer gegen den Verdacht, den Auftrag mit Hilfe von Mittelsmännern gefördert zu haben.

Die 2001 begonnene Ausschreibung hat zum Ziel, die veraltete Hubschrauber-Flotte der Armee aus den 70er Jahren zu modernisieren. Durch die Annullierung verzögert sich das Großprojekt um Jahre. Dadurch bekommt Bell Zeit, seine durchgefallenen Maschinen für den von Indien verlangten Einsatz in engen Gebirgstälern und großen Höhen nachzurüsten. Im Verteidigungsministerium heißt es, Eurocopter dürfe sich neu bewerben. Allerdings blieben die Vorfälle im Gedächtnis, welche der Firma den Auftrag gekostet hätten.

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