Hugo Chávez im Porträt
Ein mit der Macht verwachsener „Comandante“

Hugo Chávez erweist sich als „Comandante“ mit allen Qualitäten eines Stehaufmännchens. Der linksnationalistische Staatschef des Ölexporteurs Venezuela überstand nach einem 1992 von ihm angeführten und gescheiterten Putsch zwei Jahre Haft. Schließlich gelang ihm nach dem Wahlsieg von 1998 der Sprung in den Präsidentenpalast.

HB CARACAS. 2000 ließ er sich per Ermächtigungsgesetz mit umfangreichen Sondervollmachten ausstatten. 2002 vom Militär gestürzt, gelangte er dennoch wieder an die Macht. Auch ein zweimonatiger Generalstreik und das jüngste Referendum zur Amtsenthebung konnten ihm nichts anhaben. Chávez, der sich an Sonntagen in Fernseh- und Radiosendungen gern stundenlang über die Frage auslässt, ob es Leben auf dem Mars gibt, oder über Sport und Kulinarisches, scheint mit der Macht verwachsen.

Dabei wurde der Mestize und Sohn eines armen Bauern von seinen Gegnern im In- und Ausland oft belächelt und unterschätzt. Der peruanische Autor Mario Vargas Llosa nannte ihn einen „Clown“, für die USA war er häufig einfach nur ein „Terrorist“. Inzwischen findet Chávez nicht nur unter den Armen in den Slums daheim in Caracas, Maracaibo und Valencia, sondern in ganz Lateinamerika immer mehr Bewunderer. Die Palette der Förderer reicht von der in Brasilien regierenden „Partei der Arbeiter“ bis hin zur Fußballlegende Diego Maradona. Für den früheren argentinischen Präsidenten Eduardo Duhalde ist Chávez „für die Integration Südamerikas unentbehrlich“.

Früher nannte Chávez Bundeskanzler Gerhard Schröder und den britischen Premierminister Tony Blair seine Vorbilder. Später bemühte sich der heute 50-Jährige allerdings, in die Fußstapfen des kubanischen Staats-, Partei- und Regierungschefs Fidel Castro zu treten. Die beiden spielten Baseball miteinander und sangen zusammen. In der Politik kopierte Chávez vieles von dem, was er in Havanna sah. Er rief auch Hunderte kubanischer Ärzte, Lehrer und Sporttrainer nach Venezuela.

Für die vernachlässigten Massen, zu denen heute 80 % der 25 Mill. Venezolaner gehören, wurde Chávez mit seinen Brandreden gegen die Oligarchie prompt zum Idol. Der „Comandante“ war geboren. Chávez versprach die Ausmerzung der Korruption und ein „humanes Wirtschaftssystem“. Er träumt wie Befreiungsheld Simón Bolívar im 19. Jahrhundert von einem geeinten Lateinamerika. Das venezolanische Establishment sieht in dem autoritär auftretenden Staatschef vielmehr einen „Populisten“ und „Freund des Kommunismus“.

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