Hugo Chávez will Koalition gegen die USA schmieden – Wirtschaftsthemen rücken bei Gipfeltreffen in den Hintergrund
Südamerikaner trumpfen gegen Bush auf

Der venezolanische Präsident Hugo Chávez will beim gesamtamerikanischen Gipfel eine Koalition gegen George W. Bush anführen. Die USA seien „seit 200 Jahren der Unruhefaktor in Lateinamerika. Wenn Bush auf Demokratiedefizite in meinem Land verweist, wird er eine direkte und offene Antwort erhalten“, sagte der Linkspopulist vor dem heute beginnenden Gipfel im argentinischen Mar del Plata.

HB SÃO PAULO/BUENOS AIRES. Offiziell beraten die 34 Präsidenten, wie der Handel ausgeweitet, Arbeitsplätze geschaffen und die Demokratie in der Region gestärkt werden können. Die teilnehmenden Präsidenten – bis auf Kuba sind alle Staaten des Doppelkontinents vertreten – wollen zudem soziale Ziele definieren. Die USA suchen nach Möglichkeiten, den Flüchtlingsstrom in Richtung Norden einzudämmen. „Die lateinamerikanischen Einwanderer in den USA sollen die gleichen Chancen in ihren Ländern haben wie bei uns. Eine zweite Reformwelle zur Stärkung der lokalen Institutionen ist notwendig“, sagte US-Staatssekretär Charles Shapiro.

Ob diese Sachthemen zum Zuge kommen, ist jedoch völlig offen. Denn Chávez will die Bühne nutzen, um seine Kollegen auf einen klaren Kurs gegen die US-Regierung zu bringen. Es sei absehbar, dass sich „Bush in Mar del Plata ziemlich einsam fühlen wird“, prophezeit Michael Shifter vom Inter-American Dialogue, einer Denkfabrik in Washington. „Nach Mar del Plata wissen wir genauer, wo Südamerikas politische Führer stehen“, sagt Newton Cruz, angesehener Analyst für Internationale Politik in São Paulo.

Eine entscheidende Rolle kommt Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva zu. Bush hatte den früheren Arbeiterführer zum wichtigsten demokratischen Führer der Region erklärt. Brasilien sei ein wichtiger Partner im Kampf gegen die EU-Agrarsubventionen in der WTO.

Insgesamt setzte die US-Regierung im Vorfeld auf Entspannung und nahm die seit zwei Jahren stagnierenden Verhandlungen über eine Gesamtamerikanischen Freihandelszone (FTAA) von der Agenda. Zuvor hatte Washington immer wieder eine schnellere Integration angemahnt. Doch sträuben sich Venezuela und der Handelsblock Mercosur (vor allem Brasilien und Argentinien) gegen einen solchen Wirtschaftsverbund unter US-Führung.

Die Positionen, Interessen und Gewichte der Staaten haben sich durch die fortschreitende Globalisierung kräftig verändert, der Kontinent driftet auseinander. Die Südamerikaner erleben dank hoher Rohstoffpreise einen Boom und werden immer selbstbewusster. Ihnen steht eine Bush-Regierung gegenüber, die sich auf den Kampf gegen den Terror konzentriert und den südlichen Teil des Kontinents vernachlässigt.

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