Humanitäre Hilfe steht im Mittelpunkt
Neue Kämpfe nahe Monrovia

Die humanitäre Hilfe für die hungernde Bevölkerung steht nach dem Machtwechsel in Liberia jetzt im Mittelpunkt. Der Befehlshaber der US-Kriegsschiffe vor der Küste Liberias, General Thomas Turner, traf am Dienstag zu Verhandlungen mit den Rebellen in Monrovia ein, berichtete der US-Sender CNN.

HB/dpa MONROVIA/NAIROBI. Ungeachtet mehrerer Friedensappelle des neuen Präsidenten Moses Blah brachen jedoch bereits wieder Kämpfe in der Nähe der Hauptstadt aus.

Die Hilfsorganisationen warten weiterhin dringend auf den Rückzug der Rebellen aus dem Hafengebiet. Erst dann sei die Versorgung der Stadt auf dem Seeweg wieder möglich. US-Befehlshaber Turner wollte gemeinsam mit Führern der westafrikanischen Eingreiftruppe ECOMIL die Rebellen zum Einhalten ihres Versprechens bewegen. Sie hatten immer wieder betont, dass sie das Gebiet nach der Abreise von Präsident Charles Taylor aufgeben wollten.

In der Stadt habe sich die Stimmung seit dem Machtwechsel deutlich verbessert, berichtete eine Mitarbeiterin der Organisation Ärzte ohne Grenzen. „Viele Menschen sind glücklich, dass Taylor weg ist“, sagte Kris Torgeson. „Sie können sich jetzt freier in der Stadt bewegen.“ Allerdings seien auch in Monrovia immer noch vereinzelt Schüsse zu hören.

Regierungstruppen und Kämpfer der Rebellengruppe Model lieferten sich unterdessen neue Gefechte auf der Straße zwischen der Hafenstadt Buchanan und dem Flughafen von Monrovia, berichtete der britische Sender BBC. Beide Seiten beschuldigten sich gegenseitig, die bislang informelle Waffenruhe gebrochen zu haben. In dem Gebiet sind nach Informationen der katholischen Nachrichtenagentur MISNA zudem mehrere Hundert Menschen unterwegs. Sie seien nach dem Rücktritt von Präsident Charles Taylor am Montag aus Buchanan geflüchtet.

Der neue Präsident Blah hatte an seinem ersten Tag im Amt erneut an die Rebellen appelliert, die Waffen niederzulegen. „Bitte hört mit den Kämpfen auf“, sagte er in einem Interview mit der BBC. In Ghana gehen die Friedensverhandlungen unter Aufsicht der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS weiter. Nach deren Plan soll Blah im Oktober von einer neutralen Übergangsregierung abgelöst werden.

Die drei US-Kriegsschiffe mit etwa 2300 Marineinfanteristen an Bord ankern mittlerweile in Sichtweite der Küste. US-Außenminister Colin Powell hatte betont, dass es derzeit nicht die Absicht bestehe, die Soldaten zu einem militärischen Einsatz an Land zu schicken. „Wir hoffen, dass alle Parteien jetzt erkennen, dass es Zeit für ein Ende des Konflikts ist“, sagte er in Washington.

Ex-Präsident Charles Taylor richtet sich unterdessen in dem nigerianischen Küstenort Calabar im Exil ein. Der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo begründete das Exil-Angebot für den als Kriegsverbrecher angeklagten Politiker mit dem Wunsch, Liberia den Frieden zu ermöglichen.

Nach wochenlangen Kämpfen um Monrovia hatte Taylor durch seine Abreise am Montag den Weg für ein Abkommen freigemacht, das den seit 14 Jahren andauernden Bürgerkrieg in Liberia beenden soll. Der Chef der LURD-Rebellen (Vereinte Liberianer für Aussöhnung und Demokratie), Sekou Conneh, erklärte noch am Montagabend den Krieg für beendet.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) nahm am Dienstag seine Arbeit in Liberia wieder auf. Das UNHCR will rund 300 000 bedürftige Menschen unterstützen, sowohl Flüchtlinge aus Sierra Leone und der Elfenbeinküste als auch Liberianer, die im eigenen Land vertrieben wurden.

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