Humanitäre Krise in Syrien
Immer mehr Flüchtlinge und zu wenig Geld

Die EU-Kommission schlägt Alarm: Täglich steigen die Flüchtlingszahlen weiter an, doch die versprochenen Hilfsgelder von Uno und EU kommen nicht zusammen. Die Situation spitzt sich zu. Eine humanitäre Katastrophe droht.
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Die Lage der syrischen Flüchtlinge wird nach Einschätzung der EU-Kommission immer bedrohlicher. Die humanitäre Lage habe sich angesichts der schnell steigenden Flüchtlingszahlen „bedeutend" verändert, warnten Experten der EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel. Demnach geraten die bereits unterfinanzierten Hilfsprojekte zunehmend in Schwierigkeiten. „Es gibt viel zu wenig Geld", sagte einer der Brüsseler Hilfsexperten.

Die Vereinten Nationen haben 180 Millionen Dollar (rund 146 Millionen Euro) veranschlagt, um Vertriebene innerhalb Syriens zu versorgen. Für Flüchtlinge in den Nachbarländern sollen 193 Millionen Dollar (rund 156 Millionen Euro) bereitgestellt werden. Von den Summen sind den Angaben zufolge jedoch erst rund 20 bis 25 Prozent zusammengekommen.

Angesichts des Blutvergießens machten sich immer mehr Menschen auf die Flucht. „Aus einer humanitären Perspektive hat sich die Situation im Laufe der vergangenen vier bis fünf Wochen erheblich verändert“, sagte ein Mitarbeiter der Kommissionsabteilung für humanitäre Hilfe. „Es ist, wie einem Zug hinterherzurennen, der ständig beschleunigt", sagte der EU-Vertreter. Während vor einigen Wochen noch 400 bis 500 Menschen am Tag auf der Suche nach einer sicheren Bleibe über die Grenze zu Jordanien kamen, ist ihre Zahl zu Beginn dieser Woche auf rund 1300 gestiegen.

„Das wird noch schlimmer, bevor es besser wird", sagte einer der EU-Experten. Demnach hat das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) bereits 120.000 Vertriebene außerhalb Syriens registriert, die wahre Zahl liege jedoch noch höher. Innerhalb des Landes sind demnach hunderttausende Menschen vor den anhaltenden Kämpfen auf der Flucht.

Der humanitäre Arm der Brüsseler Behörde (ECHO) ist in Syrien mit nur einem Mitarbeiter vertreten. Die Gelder aus Europa gingen zum Beispiel an die syrische Rotkreuz-Rothalbmond-Organisation, die einen eigenen Rettungsdienst betreibt. Verletzte oder Kranke, die staatliche Hilfe suchten, setzten sich wegen ihrer möglichen politischen Zugehörigkeit der Gefahr von Folter und Tod aus.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Humanitäre Krise in Syrien: Immer mehr Flüchtlinge und zu wenig Geld"

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  • Vielleicht sollte man Saudiarabien zur Finanzierung der Flüchtlingskosten heranziehen.

    Schließlich haben die doch den Aufstand in Syrien organisiert, finanziert und bewaffnet.

    Mit Unterstützung durch das Obama-Regime.

  • Abwarten, welche Flüchtlingsströme es erst gibt, sollten die sog. Rebellen gewinnen.

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