Hunderte Festnahmen
Weißrusslands Regierung wirft Opposition Mordkomplott vor

Nach der gewaltsamen Auflösung einer Protestkundgebung in Minsk hält die weißrussische Staatsmacht weiterhin hunderte Regierungsgegner fest. Offizielle Begründung: Die Opposition soll zur Ermordung von Präsident Alexander Lukaschenko aufgerufen haben.

HB MINSK. Zahlreiche Gegner des autoritären Staatschefs Alexander Lukaschenko wurden mit Bussen in Gefängnisse außerhalb von Minsk gebracht, da in der Hauptstadt die Untersuchungsgefängnisse überfüllt seien, hieß es am Sonntag aus Oppositionskreisen. Die Angehörigen der Festgenommenen seien bislang nicht darüber informiert worden, wohin man die Regierungsgegner gebracht habe.

Die Ehefrau des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Alexander Kosulin gab eine Vermisstenmeldung zur Suche nach ihrem Ehemann auf. „In allen Untersuchungsgefängnissen von Minsk hat man uns gesagt, dass Kosulin dort nicht sei“, sagte ein Sprecher des früheren Rektors der Staatsuniversität der Nachrichtenagentur Belapan.

Kosulin war am Samstag mit mehreren tausend Oppositionsanhängern in Richtung eines Untersuchungsgefängnisses in Minsk marschiert, woraufhin die Staatsmacht die Menschen mit brutaler Gewalt gestoppt und festgenommen hatte. Auch der bekannte russische Fernsehjournalist und Lukaschenko-Kritiker Pawel Scheremet wurde am Tag nach seiner Festnahme in Minsk weiterhin vermisst.

Der weißrussische Innenminister Wladimir Naumow warf am gestrigen Samstag Kosulin vor, zur Ermordung von Präsident Lukaschenkos und zu einem Staatsstreich aufgerufen zu haben. Deshalb seien zahlreiche Demonstranten inhaftiert worden - auch Kosulin. "Kosulin hat damit anfangen, zu einem gewaltsamen Sturz der Behörden, der Besetzung von Hochsicherheits-Einrichtungen und der physischen Vernichtung des Staatsoberhaupts aufzurufen", sagte er. Kosulin war bei der jüngsten Wahl gegen Lukaschenko angetreten.

Die Anhänger der demokratischen Kräfte planen nach Angaben des Oppositionsführers Alexander Milinkewitsch in nächster Zeit keine neuen Massenproteste. Die Opposition hoffe, künftig nicht weniger als 200 000 Menschen mobilisieren zu können. Für neue Großkundgebungen müsse es jedoch einen „starken emotionalen Impuls“ geben, sagte der bei der umstrittenen Präsidentenwahl am 19. März unterlegene Milinkewitsch der Nachrichtenagentur Itar-Tass.

Am frühen Sonntagmorgen beschrieb Itar-Tass die Lage in Minsk als "ruhig". Der Oktoberplatz sei weiterhin von Sicherheitskräften abgeriegelt. Nur Arbeiter mit ihren Maschinen zur Säuberung des Platzes seien zu sehen, berichtete die russischen Nachrichtenagentur weiter.

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