Hunderte protestieren
Japan nimmt AKWs wieder ans Netz

Aus Angst vor einer Stromknappheit, lässt Japans Regierung erstmals seit der Atomkatastrophe von Fukushima wieder zwei Atomreaktoren hochfahren, Die Opposition kritisiert die Entscheidung, Hunderte protestieren.
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TokioErstmals seit Beginn der Atomkatastrophe in Fukushima vor mehr als einem Jahr werden in Japan wieder Atomkraftwerke hochgefahren. Er habe die Unterstützung der lokalen Verantwortlichen erhalten, sagte Regierungschef Yoshihiko Noda am Samstag nach einem Gespräch mit dem Gouverneur der betroffenen Provinz Fukui. Dieser hatte erwartungsgemäß sein Einverständnis gegeben. Daher habe die Regierung in Tokio jetzt eine „endgültige Entscheidung“ zum Wiederanfahren der Reaktoren 3 und 4 des Atomkraftwerks Oi getroffen, sagte Noda.

Der Betreiberkonzern Kansai Electric Power (KEPCO) begann darauf sofort mit den Vorbereitungen. Reaktor 3 werde frühestens am 8. Juli und Reaktor 4 am 24. Juli in vollem Betrieb sein, hieß es. Die staatliche Atomaufsicht hatte das Atomkraftwerk zuvor als sicher eingestuft.

Noda begründete seine Entscheidung mit drohenden negativen Auswirkungen auf die japanische Wirtschaft und die Bevölkerung. „Der Stopp der Reaktoren schneidet das Land von 30 Prozent seiner Stromerzeugung ab“, sagte der Regierungschef. Es drohe nicht nur Stromknappheit im Sommer, sondern Japans Wirtschaft könne erlahmen. Atomkraft sei insofern eine „wesentliche Energiequelle“. Laut KEPCO, das die Großstädte Osaka, Kyoto und Kobe versorgt, könnte aufgrund des hohen Strombedarfs für Klimaanlagen im Sommer der Bedarf das Angebot um bis zu 15 Prozent übersteigen.

Vor dem Regierungssitz in Tokio protestierten Hunderte bei schwerem Polizeiaufgebot gegen die Entscheidung der Regierung. Seit Anfang Mai dieses Jahres sind sämtliche 50 einsatzfähigen Reaktoren in Japan abgeschaltet. Stattdessen erzeugt das Land seinen Strom derzeit mit Thermalkraftwerken. Die umliegenden Gemeinden und Provinzregierungen lehnten aus Sorge um die Sicherheit der Meiler ein Wiederanfahren der Reaktoren bisher ab. Doch angesichts der wiederholten Warnungen der Atomindustrie und der Zentralregierung vor Stromausfällen im Sommer mit Folgen für die Wirtschaft der Industrieregion um die Stadt Osaka gaben sie ihren Widerstand auf.

Bis zu dem Unglück bezog Japan etwa ein Drittel seines Stroms aus der Atomkraft. Infolge der Atomkatastrophe, durch das weite Gebiete im Umkreis radioaktiv verseucht worden waren, wächst in Japan die Ablehnung der Atomkraft. Bislang war keines der AKWs wieder ans Netz gegangen.

Noda bekräftigte, alles zu tun, um einen Atomunfall wie Fukushima künftig zu verhindern. Bis August will die Regierung einen nationalen Energie-Plan bis zum Jahr 2030 vorlegen, der eine möglichst umfassende Abkehr von der Atomkraft beschreiben soll. Auch die Opposition kritisierte die Rückkehr zur Atomenergie. Die Regierung habe „schreckliche Entscheidungen“ getroffen, indem sie die Reaktoren von Oi wieder hochfahre, sagte der Oppositionspolitiker Nobuteru Ishihara.

In Japan war das Atomkraftwerk Fukushima bei dem schweren Erdbeben vom 11. März 2011 und dem anschließenden Tsunami schwer beschädigt worden. Durch den Ausfall der Kühlsysteme kam es zur Kernschmelze, es war der schwerste Atomunfall seit der Tschernobyl-Katastrophe von 1986.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Ist der Export der deutschen Atom-Angst und des deutschen Öko-Kommunismus vielleicht etwas ins stocken geraten? Es scheint so. Man kann nur hoffen daß Japan sich nicht davon hat "anstecken" lassen, und auf den Pfad der energetischen Vernunft zurückkehrt. Die Bevölkerung Japans, die genügend echte Probleme hat, nicht zuletzt wegen der verheerenden Zerstörung der NATURkatastrophe vom März 2011, kann sich solche Wohlstandserscheinungen wohl nicht leisten.

  • Ja, sie brauchten zwei Atombomben um zu kap(itul)ieren.

  • Man könnte grad meinen, die japanische Regierung braucht noch eine Katastrophe, um zu kapieren? Ich kann jedem Japaner nur empfehlen den aktuell starken Jen noch zu nutzen, um sich ein Auslandsdomizil zu erwerben!

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