Hungerkrise in Nigeria
Sicher vor Boko Haram, doch nicht vor dem Tod

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Es fehlen 330 Millionen Euro für Hilfsgüter

Nahrungsmittel werden im dem Lager gegen Lebensmittelmarken verteilt. Doch es gebe nicht genug Marken für alle der rund 25.000 Bewohner, sagt Ibrahim. Oft müssten sich mehrere Familien kleine Rationen teilen. Dabei geht es den Flüchtlingen in Lagern noch relativ gut. Rund 350.000 Menschen mussten sich nach Uno-Angaben auf eigene Faust in Maiduguri niederlassen und haben damit keinen Zugang zu Hilfsgütern. Der Uno fehlen derzeit 330 Millionen Euro – etwa ein Drittel der benötigten Summe –, um allen Notbedürftigen helfen zu können.

Am Stadtrand von Maiduguri, hat sich eine Gruppe von Familien Hütten aus Bambusstöcken gebaut, nachdem ihr Dorf vor einigen Wochen von Boko Haram angegriffen und niedergebrannt wurde. Die Lager sind voll, sagen sie, Neuankömmlinge müssen sich selbst helfen. Die Ruinen ihres Dorfs können sie aus der Ferne erkennen. Es liegt auf der anderen Seite einer Schlucht, an deren Ende der gefürchtete Sambisa-Wald beginnt, in dem sich die Extremisten verstecken. Abatcha Bukar, der mit seinen 13 Kindern floh, deutet auf die abgebrannten Häuser. „Wir hatten gerade unsere Felder bestellt“, berichtet der 35-jährige Bauer.

Er hofft, dass sie zur Ernte heimkommen können, doch das ist unwahrscheinlich. Obwohl das Militär große Fortschritte im Kampf gegen die Terroristen gemacht hat, bleibt die Region unsicher. Zwar hat Boko Haram die Kontrolle über größere Gebiete und Städte verloren, doch die Fundamentalisten üben weiterhin fast täglich Angriffe und Anschläge aus. Hunderttausende Flüchtlinge hoffen seit Jahren vergebens darauf, in ihre Heimat zurückkehren zu können.

So machen sich Bukar und andere Männer jeden Morgen auf in Richtung Wald, um Feuerholz zu suchen, das sie in der Stadt verkaufen können, denn aus Angst vor Boko Haram traut sich kaum jemand in den Wald. „Es ist sehr gefährlich. Wir müssen ständig auf der Hut sein. Wenn wir im Unterholz Geräusche hören, rennen wir“, sagt Alhaji Ali, der mit Frau und acht Kindern geflohen ist. Dass die Flüchtlinge ihr Leben für ein paar Äste und Zweige riskieren, zeigt ihre Verzweiflung. „Schau unsere Kinder an“, sagt Ali und zeigt auf Mädchen und Jungen, die mit geschwollenen Bäuchen neben ihm stehen. Hagere Arme und Beine stecken in schmutziger, verschlissener Kleidung. „Sie weinen vor Hunger.“

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Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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