Hurrikan-Hilfe
Berlin, Paris und London zapfen ihre Ölreserven an

Deutschland gibt auf Antrag der USA einen Teil seiner strategischen Erdölreserven frei. Auch Frankreich und Großbritannien folgen nach einem Aufruf der Internationale Energieagentur (IEA) diesem Beispiel. Laut Bundeskanzler Gerhard Schröder soll dadurch die Belastung der Ölversorgung durch den Hurrikan „Katrina“ gemildert werden.

HB BERLIN/PARIS. Die IEA rief ihre Mitgliedstaaten auf, wegen der Versorgungsengpässe nach dem Hurrikan ihre strategischen Ölreserven anzuzapfen. Innerhalb eines Monats sollten 60 Millionen Barrel zur Verfügung gestellt werden, teilte das französische Industrieministerium mit. Das entspreche zwei Millionen Barrel oder 258 000 Tonnen pro Tag. Ein Barrel hat 159 Liter.

Frankreichs Anteil betrage 4,6 Prozent der Reserven oder 13 100 Tonnen (92 000 Barrel) pro Tag. Die strategischen französischen Reserven, die pflichtgemäß für 90 Tage reichen müssen, würden damit insgesamt um 400 000 Tonnen oder zwei Tagesreserven vermindert. Vor Frankreich hatte bereits Deutschland die Öffnung seiner Öllager zugesagt.



Der Bundeskanzler hatte zuvor in Berlin gesagt, die USA hätten bei der Internationalen Energie-Agentur (IEA) den Antrag gestellt, Teile der internationalen Erdölbevorratung in den Markt zu geben. Deutschland werde „selbstverständlich“ diesen Antrag unterstützen. Ziel sei, den Druck auf die Preise zu mildern. Schröder appellierte an die Ölkonzerne, diese international abgestimmte Maßnahme zu nutzen, um zu einer Senkung der Preise beizutragen.

Es könne nicht sein, dass Reserven in den Markt gebracht werden und an der Preisfront nichts passiere. Es gebe eine große Verantwortung der Konzerne, die diesen Markt bedienen. Sie hätten „nicht nur eine betriebswirtschaftliche Verpflichtung, sondern auch eine humane“, sagte der Kanzler.

Voraussetzung für die Reduzierung der Reserven sei, dass es zu einer Störung der Erdölversorgung weltweit gekommen sei. Dies habe nichts mit den jüngsten Forderungen von CDU/CSU zu tun. Einen unmittelbaren Zusammenhang zu den Benzinpreisen in Deutschland gebe es nicht. Wesentliche Teile der Ölförderung in den USA könnten nicht aufrecht erhalten werden.

Die jetzige Freigabe auf Antrag der USA dürfe nicht mit den Forderungen der Opposition gleichgesetzt werden, erklärte Schröder. Es sei zu einer Störung der Erdölversorgung weltweit gekommen. „Wir gehen davon aus, dass es weltweit nur Zustimmung zur Bitte der Amerikaner gibt“, fügte Schröder hinzu. Konsequenz sei, „dass die Nationalstaaten Teile ihrer Erdölbevorratung abgestimmt international in den Markt geben“.

Auch London kündigte an, seine strategischen Ölreserven anzuzapfen, um die Preisexplosionen bei Öl und Benzin einzudämmen. Der britische Energieminister Malcolm Wicks sagte, mit der koordinierten Aktion solle der Markt in die Lage versetzt werden, effektiver auf die Störungen infolge des Hurrikans zu reagieren.

Unterdessen hat die US-Regierung 30 Millionen Barrel Öl aus ihrer strategischen Reserve frei. Das sei die Hälfte der von der Internationalen Energie-Agentur (IEA) beschossenen Gesamtmenge, teilte der amerikanische Energieminister Samuel Bodman am Freitag in Washington mit. Unabhängig davon hatte die Regierung Anfang der Woche bereits 9,1 Millionen Barrel an Raffinerien „ausgeliehen“, die Versorgungsengpässe hatten.

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