Hurrikan-Krise
Texanischer Trumpf

Während seines Aufenthalts in Texas zeigt sich Donald Trump mitfühlend und fast bescheiden. Der US-Präsident will als Macher aus der Hurrikan-Krise hervorgehen. Nicht alle Betroffenen vor Ort sehen das so.
  • 17

Corpus ChristiDie Airforce One steht wenige Kilometer weiter am Flughafen von Corpus Christi geparkt. Die Fenster der umliegenden Häuser sind zum Teil noch mit Holzbrettern vernagelt. Die amerikanischen Fahnen, die an Kränen den Freeway säumen, sind gigantisch.

Nur wenige Hundert Meter von Donald Trumps Treffen mit dem Krisenstab von Corpus Christi im Stadtteil Annaville entfernt, zeigt Jessie Rojas das menschliche Gesicht der Hurrikan-Krise. Auch ohne Flut hat der kräftige Mann wegen des Hurrikans alles verloren. Sein Haus ist komplett abgebrannt, ebenso wie das seiner Mutter, als die Strommasten bei dem Sturm eingeknickt sind. Mit zitternden Fingern zückt er sein Smartphone: Er zeigt ein Foto, auf dem in den Trümmern nur die Statue der Jungfrau Maria zu erkennen ist.

Seinen Präsidenten hätte der aus Mexiko stammende Mann gern gesehen. Aber der Termin war nicht für die breite Bevölkerung gedacht. Dennoch findet er es gut, dass Donald Trump gekommen ist. „Sein Besuch ist gut für die Gegend. Es bringt uns die Aufmerksamkeit, die wir hier sehr brauchen. Hier ist so viel kaputt gegangen. Viele Menschen brauchen Hilfe“, sagt Rojas, der vorübergehend in einem Hotel untergekommen ist, aber nicht weiß, wie es danach weitergeht. Er ist nach Annaville gekommen, um Spenden zurückzugeben, die er zuvor bekommen hatte – so können andere davon profitieren.

Spenden, die Jennifer, eine zupackende Frau mit langem, schwarzem Pferdeschwanz, an der Hauptstraße sammelt, um sie den bedürftigen Städten in der Region zu bringen: Wasser, Kleidung, Hygiene-Artikel. Mit einem ganzen Trupp von Freunden in T-Shirts vom „Dallas Cowboys“-Fanclub und zwei großen Pickup-Trucks ist sie gekommen. „Wir Texaner stehen zusammen“, sagt sie und lobt den Besuch des US-Präsidenten. „Mir hat gefallen, dass er sich nicht selbst gelobt hat, sondern den Menschen vor Ort für ihre Arbeit gedankt hat.“

Donald Trump ist angereist, um den Betroffenen Mut zuzusprechen, und um sich selbst als Krisenmanager zu beweisen. In weißer Baseball-Kappe mit blauer „USA“-Aufschrift setzt er sich hemdsärmelig mit dem Krisenstab zusammen. Es ist die erste Naturkatastrophe seiner Amtszeit und eine große Chance für ihn, seine bisher eher bescheidene Bilanz als Präsident mit einem Erfolg zu krönen. Bei Themen wie Gesundheitsreform, Mauerbau und Steuerreform ist Trump bisher nicht weitergekommen. Zuletzt hat er sogar mit einem so genannten „Government Shutdown“ gedroht, sollte der Kongress mit der Erhöhung der Schuldengrenze die Mauer an der Grenze zu Mexiko und andere Projekte finanzieren. Der Shutdown würde bedeuten, dass Bundesbehörden ihre Tätigkeiten bis auf unerlässliche Aufgaben einstellen.

In den Umfragen schnitt Trump zuletzt so schlecht ab wie noch nie. Da kommen Fernsehbilder vom zupackenden Präsidenten im Hurrikan-Gebiet gerade recht. Ein mitfühlender Macher, der sich parteiübergreifend für die Menschen in Not einsetzt. Mit Naturkatastrophen hat in Deutschland schon Gerhard Schröder punkten können. In Italien hatte Silvio Berlusconi sogar ein G8-Treffen ins Erdbeben-Gebiet von L’Aquila verlegt, um sich als Mann der Tat und der Solidarität zu präsentieren. In den USA haben die beiden Hurrikane „Katrina“ und „Sandy“ allerdings auch gezeigt, wie unterschiedlich sie das Image eines Präsidenten beeinflussen können, je nachdem, wie die Verantwortlichen die Katastrophe meistern: George W. Bushs Worte, der Einsatzleiter bei „Katrina“ mache einen tollen Job – „a heck of a job“ – hallen noch heute nach. Kurz nach diesem Lob war der Damm vor New Orleans gebrochen. Insgesamt starben während der Naturkatastrophe fast 2000 Menschen. 2012 lief es bei Hurrikan „Sandy“ deutlich besser für Barack Obama. Er profitierte von dem guten Krisenmanagement in New Jersey und New York.

In Corpus Christi huldigt Trump dem Krisenstab und den Einsatzkräften in den höchsten Tönen. Der sonst spaltende Präsident spricht in diesen Tagen gar von einer „amerikanischen Familie“, die zusammenstehen muss. „Wir wollen das so hinkriegen, dass man in fünf Jahren sagt, so sollte man es machen.“ Gratulieren wollte er noch nicht. Dazu sei es zu früh. Damit legt Trump eine neue Bescheidenheit an den Tag. Noch am Wochenende hatte sich Trump in einem wahren Twittersturm selbst gelobt, wie toll er die Krise meistere.

„Das Traurige ist, dass das hier langfristig ist“, räumt er in Texas ein und verspricht Hilfe. „Wir werden mit dem Kongress arbeiten“, sagte er und machte klar: „Es wird ein teurer Vorschlag werden.“ Ursprünglich wollte er die öffentlichen Mittel für den Katastrophenschutz Fema zusammenstreichen. Doch davon ist jetzt keine Rede mehr, wie ein Fema-Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden möchte, dem Handelsblatt berichtet. „Egal, was wir wollen, wir bekommen es“, sagt er.

Kommentare zu " Hurrikan-Krise: Texanischer Trumpf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wieso lässt Trump nicht seine Kontakte spielen? Er könnte doch Putin holen! Der würde zumindest die Krokodile erwürgen.

  • Also in Sachen Bildung und gute Manieren ist dieser Drumpf fast jedem Arbeitslosen weit unterlegen, der hier in der Schlange steht, und über den Sie sich lustig machen wollen. Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Am besten, man entsorgt diesen Trumpf bei den Krokodilen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%