Husseins Anwälte drohen mit Klage
Fahnung nach Fotografen der Hussein-Aufnahmen

Die entwürdigenden Fotos vom irakischen Ex-Diktator könnten böse Folgen für die USA haben. Mit Hochdruck wird nun ermittelt, wer die Hussein-Bilder der Presse zuspielte.

HB BERLIN. Abermals hat die britische Zeitung «The Sun» am Samstag Fotos von Saddam Hussein in seiner Gefängniszelle veröffentlicht. Auf diesen ist der irakische Ex-Diktator hinter Stacheldrahtzaun in einem traditionellen Gewand beim Beten zu sehen. Außerdem zeigt das Blatt Aufnahmen eines Mannes und einer Frau, bei denen es sich um den als «Chemie-Ali» bekannten General Ali Hassan al Madschid und die Biowaffen-Expertin Huda Salih Mahdi Ammasch, auch «Mrs. Anthrax» genannt, handeln soll.

Schon am Freitag hatten die «Sun» und die «New York Post» Fotos veröffentlicht, auf denen Saddam Hussein in Unterhosen zu sehen ist. Die Zeitungen erhielten die Bilder nach eigenen Angaben aus US-Militärkreisen. Der gestürzte Machthaber wird von der US-Armee an einem geheimen Ort im Irak gefangengehalten.

Die «Sun» verteidigte die Veröffentlichung der Fotos. Graham Dudman von der Leitung der Zeitung sagte, er sei stolz darauf. Saddam sei «eine Art zeitgenössischer Adolf Hitler» und die Fotos werde man sich noch Ende des Jahrhunderts anschauen. Mögliche Prozesse vor Gericht wegen der Veröffentlichung würden durchgefochten, sagte Dudman vor dem Hintergrund angekündigter Klagen durch Anwälte Saddams. Nach Medienberichten wollen die Anwälte eine Million Dollar Schadenersatz fordern.

Die US-Streitkräfte reagierten auf die Veröffentlichung der Bilder mit scharfer Kritik. Sie ermitteln nun, wie sie an die Öffentlichkeit gelangen konnten. US-Präsident George W. Bush ließ durch seinen Sprecher Trent Duffy verlauten, dass er die bereits eingeleiteten «gründlichen Ermittlungen» zur Identität des Fotografen unterstützt. Auf die Frage, ob er glaube, dass die Veröffentlichung der Bilder den Aufstand im Irak weiter anheizen könnte, sagte Bush: «Ich glaube, die Aufständischen werden von ihrem Wunsch motiviert, den Vormarsch der Freiheit zu stoppen.»

Die Veröffentlichung der heimlich im Gefängnis aufgenommenen Bilder des früheren irakischen Machthabers Saddam Hussein verstößt nach Ansicht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) gegen die Genfer Konvention. Auch die USA fürchten einen Verstoß. Nach Auffassung des IKRK, das Saddam regelmäßig in seiner Zelle besucht, ist dieser auch seit seiner offiziellen Überstellung in irakische Untersuchungshaft am 30. Juni 2004 weiter als Kriegsgefangener anzusehen.

Im «Genfer Abkommen über die Behandlung der Kriegsgefangenen» vom 12. August 1949 heißt es in Artikel 13: «Die Kriegsgefangenen sind jederzeit mit Menschlichkeit zu behandeln. (...) Die Kriegsgefangenen müssen (...) jederzeit geschützt werden, namentlich auch vor Gewalttätigkeit oder Einschüchterung, Beleidigungen und der öffentlichen Neugier. Vergeltungsmassnahmen gegen Kriegsgefangene sind verboten.» Und in Artikel 14: «Die Kriegsgefangenen haben unter allen Umständen Anspruch auf Achtung ihrer Person und ihrer Ehre.»

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