IAEA-Bericht zu Iran
Europa kann die iranische Atombombe stoppen

Trotz neuer Beweise für ein Atombombenprogramm will der Iran „kein Jota“ zurückweichen. Die Angst vor einem Militärschlag wächst, wahrscheinlicher sind aber härtere Sanktionen: Dabei wäre vor allem Europa gefragt.
  • 30

DüsseldorfOffiziell hat die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) ihren Bericht zum iranischen Atomprogramms noch gar nicht vorgelegt. Doch seit gestern ist klar: Der Iran hat bis mindestens 2010 mithilfe eines russischen Wissenschaftlers an der Entwicklung der Atombombe gearbeitet. Auch nach der Enthüllung zeigte sich der Iran wenig kompromissbereit: „Wir werden nicht ein Jota von dem Weg abrücken, den wir eingeschlagen haben“, sagte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad am  Mittwoch im Staatsfernsehen. Auch der iranische Vertreter bei der IAEA, Ali Asghar Soltanieh, sagte am Mittwoch, der Iran werde „niemals seine legitimen Rechte aufgeben“. Dem IAEA-Chef Yukiya Amano warf er vor, in „parteiischer, politischer und unprofessioneller“ Weise gehandelt  zu haben, da der veröffentlichte Bericht auf „falschen Anschuldigungen einer kleinen Anzahl von Ländern“ beruhe, darunter die USA.

International wächst die Sorge eines Militärschlags. Israels Präsident Schimon Peres hatte am Wochenende  erklärt, ein Angriff Israels und anderer Länder auf iranische Atomanlagen werde „immer wahrscheinlicher“. Der stellvertretende iranische Generalstabschef, Massud Dschasajeri, drohte Israel am Mittwoch laut einem Bericht des iranischen Staatsfernsehens  in arabischer Sprache mit „Zerstörung“, sollte das Land die iranischen Atomanlagen angreifen.

Die Drohgebärden sind aber wahrscheinlich bloßes Säbelrasseln. Die Aussichten auf einen erfolgreichen israelischen Militärschlag sind gering. Israel würde bei einem Angriff viel riskieren: Die iranischen Atomanlagen sind gut gesichert, die israelische Luftwaffe müsste große Entfernungen im feindlichen Luftraum überwinden, darunter den US-kontrollierten Luftraum im Irak, und Vergeltungsaktionen der von Teheran unterstützten Hisbollah-Miliz im Libanon und der islamistischen Hamas im Gazastreifen fürchten - ganz abgesehen von einer weiteren Verschlechterung der Beziehungen zu vielen Nachbarstaaten im Nahen Osten. Auch die US-Regierung unter Präsident Barack Obama ist gegen einen Militärschlag, wenngleich Israel seinen wichtigsten Bündnispartner in einer so existenziellen Frage wahrscheinlich erst nach einem Angriff informieren würde.

Wahrscheinlicher ist daher, dass die USA und andere westliche Staaten die neuen Erkenntnisse über das iranische Atomprogramm als Vorlage für härtere Sanktionen nutzen werden. Frankreich hat bereits „Sanktionen von nie gekanntem Ausmaß“ gegen das Land gefordert. Der diplomatische Druck müsse eine neue Stufe erreichen, erklärte der französische Außenminister Alain Juppé am Mittwoch. Dazu solle auch der UN-Sicherheitsrat eingeschaltet werden. „Wir sind entschlossen, zu reagieren“.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton kündigte eine „angemessene Reaktion“ an. „Der neue Bericht verschärft die Besorgnis über die Art des iranischen Atomprogramms erheblich“, erklärte Ashtons Sprecherin der am Mittwoch in Brüssel. „Verweigert sich Iran weiterhin ernsthaften Verhandlungen über sein Atomprogramm, dann werden neue, schärfere Sanktionen unausweichlich sein“, kündigte Außenminister Westerwelle an.

Seite 1:

Europa kann die iranische Atombombe stoppen

Seite 2:

Vor allem Europa müsste seine Sanktionen verschärfen

Kommentare zu " IAEA-Bericht zu Iran: Europa kann die iranische Atombombe stoppen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ein wenig Vorsicht ware angesichts der "Irak Fakten" vielleicht angebracht, wenn solche "Beweise" aus einer ganz bestimmten Ecke kommen. Natuerlich arbeitet der Iran an einer Atombombe, wie viele Laender in der Welt, und, friedliebend wuerde ich zwar das iranische Volk nennen, aber nicht bestimmte iranische Politiker. Man sollte aber auch nicht vergessen, das es die ignoranten USA waren, die Indien und Pakistan den Zugang zu Atomwaffen erst ermoeglicht haben, und damit ein ganz neues Spannungsfeld geschaffen haben, wobei geopolitisch der Iran da reinpasst. Jede Religion wird furchtbar, wenn sie in den Fundamentalismus abdriftet, die christlichen Fundamentalisten, interessanterweise gibt es besonders viele davon in den USA, sind so schlimm wie die islamischen Fundamentalisten und diese so schlimm wie die juedischen, da ist kein Unterschied. Gefaehrlich wird es, wenn diese Fundamentalisten politsiche Macht erhalten.

  • Es wird immer mehr gefordert, dass der Westen den Iran „in die Schranken weisen“ solle, am besten militärisch.

    Ich bin dafür, dass wir deutsche mit gutem Beispiel voragehen und den Iran im Alleingang angreifen sollten. Alle idealistischen Reporter und Blogger, die von der positiven Wirkung eines Krieges überzeugt sind, können dann ja gleich mal an die Front gehen, um ihrem Erzfeind Auge in Auge gegenüber zu stehen!

  • @oelblase

    o, si tacuisses.

    Also, ich verstehe ja, daß beim "J"-Wort schon automatisch das Gehirn des Übervorsichtigen ins Stottern gerät, aber: die _Juden_ sind eine Glaubensgemeinschaft, die Israelis aber sehr wohl ein Volk. Ob man zu einem Volk gehören muss, um ein "Semit" zu sein, ist irgendwie eine Gedankenkette, der ich nicht so ganz folgen kann, aber egal.

    Was wollten Sie denn nun eigentlich ausdrücken, bevor Ihr Gehirn ins Taumeln kam und Sie vor lauter Taumel es verabsäumten, die Dinge einfach mal bei Wiki nachzugucken???

    Vielleicht, daß nicht jeder Israeli auch en Jude ist und vielleicht sogar seine eigene Regierung für eine Bande von Verbrechern und religiösen Irren hält? Daß gerade so gut wie alle früheren Chefs des Mossad durch die Gegend laufen und händeringend davor warnen, etwas sehr sehr dummes zu tun?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%