IAEA-Bericht zum Iran: Besorgnis über Atomprogramm wächst

IAEA-Bericht zum Iran
Besorgnis über Atomprogramm wächst

Der Bericht der Internationalen Atombehörde ruft international Besorgnis hervor. Die Ergebnisse zeigten, dass der Iran gegen die UN-Resolutionen verstoße, hieß es aus Washington und Brüssel.
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WienDie US-Regierung hat sich über einen neuen Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde zum Iran besorgt gezeigt. Der Bericht zeige, dass die Islamische Republik mit ihrem Atomprogramm gegen UN-Resolutionen verstoße, erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates im Weißen Haus, Tommy Vietor, am Freitag in Washington. Der Iran habe die internationale Gemeinschaft nicht überzeugt, dass er mit dem Programm friedliche Absichten verfolge.

Auch die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton zeigte sich besorgt. Das Land müsse die Zweifel ausräumen, sagte die Politikerin, die bei Gesprächen über das iranische Atomprogramm die Interessen der fünf UN-Vetomächte sowie Deutschlands vertritt. Dem IAEA-Bericht zufolge hat der Iran seine Atomanreicherung deutlich ausgebaut. Möglicherweise habe das Programm eine militärische Dimension.

Der iranische Vertreter bei der UN-Organisation erklärte dagegen nach einem Bericht der halbamtlichen Agentur Fars, das Atomprogramm diene nur friedlichen Zwecken. Sein Land habe nicht die Absicht, darauf zu verzichten. Der Iran steht schon länger im Verdacht, heimlich Atomwaffen zu entwickeln.

Die Uran-Anreicherung sei deutlich ausgebaut worden, hieß es in einem vertraulichen Bericht der UN-Atomenergiebehörde IAEA. „Die Behörde hat weiter ernsthafte Sorgen wegen der möglichen militärischen Dimensionen des iranischen Atomprogramms.“ Angereichertes Uran kann zivilen Zwecken dienen, ist aber auch für den Bau einer Atombombe notwendig. Der Iran will das Material nach eigenen Angaben für die Forschung verwenden - was ihm viele Länder nicht abnehmen.

Das Land habe seine Kapazitäten zur höherprozentigen Anreicherung verdreifacht, schreibt die IAEA. Allerdings war den Berichterstattern nicht überall Einlass gewährt worden. Das IAEA-Expertenteam beschwerte sich nach einem zweitägigen Aufenthalt im Iran, es habe bei den beiden Besuchen in Teheran in diesem Jahr jeweils nur mit „Mittelsmännern“ sprechen können. „Der Iran wollte die Abläufe behindern“, hieß es in dem Bericht. Die Inspekteure reagierten vor allem enttäuscht darauf, dass ihnen der Zutritt zum Militärstützpunkt Parschin nicht gestattet worden sei. Ein weiterer Besuch in Teheran ist vorerst nicht geplant.

Die Fähigkeit des Iran, Uran auf bis zu 20 Prozent anzureichern, hat in der westlichen Welt Besorgnis ausgelöst, weil es die Möglichkeit zur Herstellung waffenfähigen Urans erhöht. Nach dem IAEA-Bericht hat das Land die Zahl der leistungsfähigen Zentrifugen in der unterirdischen Anlage Fordo verdoppelt und mehr als 100 Kilogramm höher angereichertes Uran hergestellt. Das sei weniger als die Hälfte der Menge, die für einen atomaren Sprengkopf nötig sei.

Der Streit über das Atomprogramm hatte sich jüngst verschärft. Die Europäischen Union hat ein Öl-Embargo verhängt und will die Islamische Republik mit dem Ausfall der lukrativen Einnahmen zum Einlenken zwingen. Der Iran hat seinerseits damit gedroht, die Straße von Hormus zu blockieren, eine der weltweit wichtigsten Handelswege. Die US-Marine ist mit einem Verband in der Region und hat ankündigt, die Wasserstraße offen zu halten. Israel, dem der Iran regelmäßig mit Vernichtung droht, spekulierte zuletzt offen über einen präventiven Militärschlag gegen verdächtige Nuklearanlagen in dem Land.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/CIA-Teheran-baut-keine-Atombombe-/story/31908488

    Die Atomenergiebhörde IAEA ist alarmiert über das iranische Atomprogramm. Die US-Geheimdienste sehen derweil nach wie vor keine Beweise dafür, dass der Iran eine Atombombe bauen will.

    Tja...wer hat recht? Und wem (CIA oder IAEA)glaubtIsrael?

    Ich glaube, Israel kann sich mit so einem Präventivschlag selber in große Gefahr begeben, denn: wie hier schon geschrieben wurde, hat Israel nicht nur Freunde. Wer weiß denn, wer noch alles Vergeltung übt, außer Iran?
    Oder welche Atommacht sich womöglich auf irans Seite stellt.

    Ich hoffe sehr, dass da keiner die Nerven verliert! Bitte lasst die Finger vom "roten Knopf!" Das gilt für ALLE Atom-Mächte!

    CA.23.000 Atomsprengköpfe gibt es immer noch weltweit.
    Quelle: DVD "Countdown to zero"

    Ich denke mal KEINER will, dass 2012 wirklich ein Armageddon wird. Also behaltet ALLE schön die Nerven!

  • Das stimmt nicht, mit dem:

    "Von der Landkarte tilgen"
    Bundeszentrale für politische Bildung musste falsche Wiedergabe einer Äußerung von Irans Präsidenten korrigieren

    »Das Besatzungsregime muss von den Seiten der Geschichte verschwinden.« Oder weniger blumig ausgedrückt: »Das Besatzungsregime muss Geschichte werden.« Das sei etwas deutlich anderes als das, was weltweit in den Medien und von der Bundeszentrale behauptet werde und beschreibe ein politisches Ziel, um das es allen am Frieden im Nahen Osten Interessierten gehen müsse.

    Quelle: AG Friedensforschung


  • Versetzen Sie sich einmal in die Lage eines Landes in der Größe von Hessen, dessen Nachbarn Israel lieber heute als morgen von der Landkarte fegen wollen. Israel wurde bereits mehrfach von seinen Gegnern angegriffen und hat nur wegen seiner militärischen Überlegenheit überlebt.

    Übrigens, wie die Stimmung in den Nachbarländern Israels ist, zeigt dieser erschreckender Mitschnitt aus dem Ägyptischen Fernsehen:

    http://www.youtube.com/watch?v=ZjbJnZUJTYU&feature=related

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