IASB
Bilanzexperten kommen Banken entgegen

Der europäische Ausschuss für Bilanzierungsregeln IASB will den Banken zwar einen bestimmten Bilanzierungskniff künftig unterbinden, bei dem sie Gewinne verbuchen, wenn der Kurswert ihrer eigenen Schulden sinkt. Dennoch kommt die IASB den Finanzinstituten in zwei wichtigen Punkten entgegen.

FRANKFURT. Die schärferen Regeln, die die Bilanzexperten erst vergangene Woche beschlossen hatten, sollen erst 2010 in Kraft treten. Das erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen.

Zuvor hatte bereits der Vorsitzende des IASB, David Tweedie, einige Lockerungen bei der Bewertung von Finanzinstrumenten und Wertpapieren angekündigt, für die er scharf kritisiert worden war. Diese Lockerungen führen dazu, dass Banken weniger Wertpapiere zu ihrem oft schwankenden Marktpreis bilanzieren müssen als bislang angedacht. Außerdem soll das Geschäftsmodell einer Bank dabei eine stärkere Rolle spielen: Wenn sie hauptsächlich davon lebt, Kundeneinlagen einzutreiben und Kredite zu vergeben, soll sie bestimmte Finanzinstrumente leichter zum stabilen Anschaffungspreis bilanzieren dürfen. Diese Lockerungen sollen bereits 2009 angewendet werden können. Auch das absolute Verbot, Wertpapiere von einer in die andere Bilanzkategorie umzubuchen, wird aufgeweicht.

Das IASB ist ein internationales Gremium, das die Standards für die internationalen Bilanzierungsregeln IFRS setzt. Es ist sehr einflussreich, da alle europäischen am Kapitalmarkt notierten Unternehmen die Standards anwenden müssen. Die Regeln zur Bilanzierung der eigenen Verbindlichkeiten sind in der Krise in die Kritik geraten. Bislang erlaubt die internationale Rechnungslegung, dass Banken ihre eigenen Schulden zu ihrem aktuellen Marktwert bilanzieren. Sinken die Kurse der von einer Bank emittierten Anleihe, kann eine Bank dies als Gewinn verbuchen. Das ist umstritten, weil sinkende Anleihekurse meist bedeuten, dass es einer Bank schlechter geht.

Diesen Kniff wendeten zuletzt vor allem US-Banken an, in Deutschland griffen aber auch einige Landesbanken zu diesem Mittel. Tweedie hatte in einer Rede am Dienstag gesagt, das IASB schlage vor, diese Möglichkeit zu eliminieren.

Zwar verschiebt das Gremium nun seine endgültige Entscheidung auf einen späteren Zeitpunkt und wird formal noch einmal darüber diskutieren. Doch die Rückmeldungen auf das im Juni veröffentlichte Diskussionspapier zu diesem Thema sind nach Angaben aus dem Umfeld des Gremiums so überwältigend eindeutig, dass nicht damit gerechnet wird, dass das IASB seine Meinung noch einmal ändern wird.

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