Identität von "Deep Throat" gelüftet
FBI-Vize war mysteriöse Watergate-Quelle

Der größte Polit-Krimi der US-Geschichte hat ein Geheimnis weniger: Der legendäre Informant "Deep Throat" der Watergate-Affäre hat sich geoutet. Es ist der ehemalige FBI-Vize Mark Felt. Seine Familie feiert ihn als "amerikanischen Helden".

HB WASHINGTON. Die ehemalige Nummer 2 der US-Bundespolizei FBI, Mark Felt gab Anfang der siebziger Jahre im Watergate-Skandal die entscheidenden Einzelheiten weiter trug und damit zum Sturz des republikanischen Präsidenten Richard Nixon bei. Nach 30 Jahren der Verschwiegenheit bestätigten die beiden Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein die Identität des Mannes, der ihre Recherchen über die Machenschaften der Nixon-Regierung entscheidend gestützt hatte.

Felt hatte sich in einem Interview der Zeitschrift „Vanity Fair“ zu seiner damaligen Rolle bekannt. Er ist inzwischen 91 Jahre alt und lebt in Santa Rosa im US-Bundesstaat Kalifornien. Die Identität von „Deep Throat“ war eines der best gehüteten Geheimnisse in der US-Hauptstadt. Der Watergate-Skandal nahm seinen Anfang mit einem Einbruch in der Zentrale der Demokraten und führte 1974 zum einzigen Rücktritt eines US-Präsidenten überhaupt.

„Ich bin der Mann, der Deep Throat genannt wurde.“ Mit diesen Worten zitierte „Vanity Fair“ Mark Felt am Dienstag. Woodward und Bernstein bestätigten Stunden später in einer gemeinsamen Erklärung: „W. Mark Felt war „Deep Throat' und hat uns bei unserer Watergate-Berichterstattung unermesslich geholfen.“ Woodward ist inzwischen Geschäftsführer bei der „Washington Post“, für die er Anfang der siebziger Jahre gemeinsam mit Bernstein als Reporter arbeitete. Ihre Berichterstattung gilt bis heute als beispielgebend für investigativen Journalismus.

„Deep Throat“ traf sich mit den beiden Journalisten in Tiefgaragen und an anderen verschwiegenen Orten und versorgte sie mit Informationen, die ihre Recherchen an entscheidenden Punkten am Laufen hielten. Mark Felt stand immer auf der Liste der Personen, die aufgrund ihres eigenen Zugangs zu Einzelheiten des Skandals als potenzielle Informanten galten. Er hatte die Rolle aber wiederholt dementiert.

Woodward und Bernstein haben immer erklärt, den Namen ihres Helfers erst nach dessen Tod bekannt zu geben. Außer ihnen wusste nur noch der damalige „Post“-Chefredakteur Ben Bradlee, wer „Deep Throat“ war. Dass der Informant ein Vize-Chef des FBI gewesen sei, habe ihm die Sicherheit gegeben, dass das Blatt mit seinen Recherchen richtig liege. „Die Nummer 2 beim FBI, das war eine ziemlich gute Quelle“, sagte Bradlee.

Offenbar hat nun Felts Familie den 91-Jährigen dazu gedrängt, sich zu seiner damaligen Rolle zu bekennen. Sie weiß seit 2002 davon und hatte wiederholt Kontakt mit Woodward aufgenommen. Sein Großvater „ist ein amerikanischer Held, der seine Pflicht mehr als erfüllt hat und dabei ein hohes Risiko für sich selbst eingegangen ist, um sein Land vor einer abscheulichen Ungerechtigkeit zu bewahren“, sagte Enkel Nick Jones in Santa Rosa.

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