
Wie bewerten Sie die Debatte über die Zukunft der Kernenergie in Deutschland?
Das Thema ist für die deutsche Volkswirtschaft von entscheidender Bedeutung. Es betrifft die Versorgungssicherheit, den Klimaschutz und vor allen Dingen die gesamte Industrie. Deutschland hat eine starke industrielle Basis, deren Erfolg wesentlich davon abhängt, dass es eine Energieversorgung zu günstigen Preisen gibt. Nach meiner Einschätzung wird dieser Aspekt in Deutschland oft nicht angemessen berücksichtigt. Es wäre wichtig, die Kernenergie-Debatte nicht mit so vielen Emotionen zu überfrachten.
Der geltende deutsche Ausstiegsbeschluss sieht vor, dass der letzte deutsche Reaktor in gut zehn Jahren vom Netz geht. Halten Sie es für realistisch, die Kernkraft bis dahin komplett durch erneuerbare Energien zu ersetzen?
Nein, das ist rein physikalisch fast unmöglich. Ich kann mir allenfalls vorstellen, dass man dieses Ziel innerhalb von 20 Jahren erreicht. Allerdings werden die Strompreise dann erheblich steigen. Aus meiner Sicht macht es aber volkswirtschaftlich keinen Sinn, Kernkraftwerke, die – wie in Deutschland - höchsten Sicherheitsanforderungen genügen und Strom zu niedrigen Kosten produzieren, abzuschalten. Allerdings muss das jedes Land für sich entscheiden.
Wie würde sich ein Ausstieg aus der Kernenergie auf die deutschen Klimaschutzziele auswirken?
Es würde für Deutschland wesentlich schwieriger, die Ziele zu erreichen. Es ist davon auszugehen, dass die wegfallende Kernenergie durch erneuerbare Energien, aber zu einem Teil auch durch Gaskraftwerke ersetzt würde. Zwar produzieren Gaskraftwerke deutlich weniger Kohlendioxid als Kohlekraftwerke. Gas ist aber mit Blick auf die Kohlendioxidemissionen keinesfalls ein unschuldiger Brennstoff. Die deutsche Kohlendioxidbilanz würde deutlich negativ beeinflusst.
Wie bewerten Sie die Pläne der Bundesregierung, eine Brennelementesteuer einzuführen?
Die Kernkraftwerke in Deutschland produzieren Strom eher zu niedrigen Kosten. Eine Brennelementesteuer wäre daher verkraftbar. Sie würde keine allzu großen negativen Folgen haben.
Herr birol wünscht sich einen "emotionslose" Debatte und spielt selbst nur mit Emotionen: Dem ewigen Lied, das in Deutschland ohne Atomstrom die Lichter ausgehen.
Man müsste von einem "Chef"ökonomen eigentlich mehr erwarten können, als solch platte Thesen.
Das der Preis der Atomenergie nicht nur aus den reinen Produktionskosten, sondern auch aus der Lagerung des Mülls besteht, wird hier immer schön ausgeblendet, denn das zahlt der Steuerzahler ja direkt (siehe vermeintliches Endlager Asse), bleibt deswegen aber trotzdem eine Subvention und ist extremst teuer, besonders für zukünftige Generationen, die diesen Strom nicht einmal mehr nutzen können.
Ein Systemwechsel ist immer mit investitionskosten verbunden. Aber sehr klugen investionskosten für unsere Volkswirtschaft, denn langfristig schicken Sonne und Wind keine Rechnung und haben nicht die Risiken der Atomkraft (eine Havarie eines Atommeilers, nur halb so groß wie Tschernobyl und wir können den Wirtschaftsstandort Deutschland dichtmachen). insofern ist unsere bundeskanzlerin zu iherm klugen und weitsichtigen Erkenntnisgewinn nur zu beglückwünschen.
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